Montag 21. August 2017

50 Jahre nach „Populorum Progressio"

Msgr. Jean-Claude Hollerich, Präsident von Justitia et Pax Europa und Delegierter der COMECE, berichtet über einen Kongress, den das neue Dikasterium für die ganzheitliche menschliche Entwicklung organisiert hat.

Am 3. und 4. April fand im Vatikan ein Kongress zum 50. Jahrestag von „Populorum Progressio“ statt. Eigentlich hätte dieser Tag Anlass dazu gegeben, den 50. Jahrestag des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden zu begehen. Da dieser Rat aber nicht mehr besteht, stand die Feier nun ganz im Zeichen der Enzyklika von Papst Paul VI. über die Entwicklung der Völker, bezieht sich der Name des neuen Dikasteriums doch auf eben diese Enzyklika.

 

Nach der Eröffnungssitzung nahmen wir an einer feierlichen, von Kardinal Pietro Parolin zelebrierten Eucharistiefeier teil. Danach standen die Binome Leib/Seele, Mann/Frau und Individuum/Gesellschaft mit entsprechender Ergebnisaufbereitung auf dem Programm. Zudem hatten wir Gelegenheit, bewegende Zeugnisse zu hören und den Überlegungen von Prof. Sabina Alkire von der Universität Oxford über die Armut und die zunehmenden wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten bzw. den Ausführungen von Kardinal Luis Tagle aus Manila über die Migrationsbewegungen als Herausforderung und Chance für den Frieden zu lauschen.

 

Zu den Aufgaben des neuen Dikasteriums gehören karitative Tätigkeiten, die Flüchtlingspastoral, die Pastoral im Krankendienst sowie Überlegungen zur Umweltproblematik, aber auch klassische Themen wie Gerechtigkeit und Frieden. Auf dem Programm standen zahlreiche und vielfältige Aspekte, die in Zukunft nicht mehr völlig getrennt voneinander, sondern in einem gemeinsamen Kontext betrachtet und analysiert werden und damit zu einem umsichtigeren und effizienteren Handeln führen sollen.

 

So war das Schlüsselwort der Rede von Papst Franziskus die „Integration“: Integration der verschiedenen Völker in einer gerechten Welt des Teilens, Integration jener Elemente, die zur Entwicklung beitragen, Integration der individuellen und gemeinschaftlichen Dimension, um den überzogenen Individualismus zu überwinden, und schließlich auch die Integration von Leib und Seele. Der Heilige Vater hat uns gemahnt, diesen Weg geduldig und beharrlich fortzusetzen.

 

Der Präfekt des neuen Dikasteriums, Kardinal Peter Turkson, stellte auf diesem Kongress sowohl Geduld als auch Beharrlichkeit unter Beweis. Er schloss die Tagung mit der Aufforderung, uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen. Das neue Dikasterium wird auf verschiedenen Ebenen tätig sein und in enger Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat und den Päpstlichen Akademien verschiedene Initiativen unterstützen und koordinieren.

 

Der Kongress war für mich zudem Gelegenheit, mich mit den verschiedenen, an der Konferenz teilnehmenden Mitgliedern von „Justitia et Pax Europa“ auszutauschen und neue Kontakte mit Delegierten anderer Kontinente zu knüpfen. Natürlich war auch die COMECE in Person ihres Generalsekretärs Olivier Poquillon vertreten. Die Anwesenheit der Berater und Freunde der verschiedenen aufgelösten Päpstlichen Räte, deren Aufgaben nun vom neuen Dikasterium übernommen werden, die Gespräche in den Kaffeepausen und während der Sitzungen haben zum Aufbau des neuen Netzwerks beigetragen. Mit der Zeit werden sich diese Kontakte vertiefen, damit unsere Arbeit zur Ehre Gottes und im Dienste des ganzheitlichen Heils des Menschen von noch größerem Nutzen sein kann.

 

Wie geht es nun weiter? Auf Ebene der Ortskirchen werden die gleichen Integrationsbemühungen mit Blick auf die verschiedenen Aspekte von Aktion und Reflexion im Lichte unseres Glaubens unternommen werden müssen. Die ganzheitliche Entwicklung des Menschen ist Bestandteil unserer bischöflichen Aufgabe. Der vom neuen Dikasterium eingeschlagene Weg wird bei den auf lokaler Ebene vorzunehmenden Überlegungen und Umgestaltungen hilfreich sein. Von uns wird ein neuer Prozess der Unterscheidung der Geister erwartet, damit wir Gott und den Menschen in Erfüllung unseres Amtes in der Kirche besser dienen können.

 

Msgr. Jean-Claude Hollerich

 Erzbischof von Luxemburg, Präsident von Justitia et Pax Europa

 

 Originalfassung des Artikels: Französisch

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Der Rat “Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN)” wird die Wirtschafts- und Finanzminister aus allen EU-Mitgliedstaaten versammeln, um EU-Wirtschaftspolitik, Steuerfragen und die Regulierung der Finanzdienstleistungen zu überprüfen.
 
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Der Rat “Landwirtschaft und Fischerei” wird sich in Brüssel treffen. Die jeweils zuständigen Minister der Mitgliedstaaten werden Themen im Bereich der Landwirtschaft und Fischerei diskutieren, wie Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Tierschutz und Pflanzengesundheit.
 
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