Freitag 15. Dezember 2017

Der Blick der katholischen Kirche ist nach wie vor auf Europa gerichtet

Nach vier Jahren im Amt verlässt Fr Patrick H. Daly die COMECE.

Eine vierjährige Amtszeit kann sehr kurz erscheinen. Wenn sie zu Ende geht, hat man den Eindruck, als habe sie eben erst begonnen. So viele Programme und Initiativen, die erarbeitet und auf den Weg gebracht wurden, so viele Projekte, die sich noch im Anfangsstadium befinden, so viele andere Ideen, die man gerne noch umsetzen würde. Am Pfingstsonntag, dem 15. Mai 2016 verlässt der fünfte Generalsekretär der COMECE seit 1980 seine Stelle. Ein guter Tag, um ein neues Kapitel aufzuschlagen und zu neuen Ufern aufzubrechen, die einem noch viel versprechender erscheinen als die, auf die man 2012 Kurs genommen hatte. Zum Ende dieser Amtszeit scheint es angebracht, einige Überlegungen über die Entwicklung Europas und der Kirche seit 2012 anzustellen.

 

Das Amt als Generalsekretär der COMECE, übernahm ich während des Pontifikats von Benedikt XVI., zu einer Zeit, als Kardinal Tarcisio Bertone noch Kardinalstaatssekretär war. José Manuel Barroso war Präsident der Kommission, Herman Van Rompuy Präsident des Europäischen Rates. Martin Schulz blieb Präsident des Europäischen Parlament, aber dessen Beziehung zu den beiden anderen Institutionen veränderte sich mit den Wahlen grundlegend. Dementsprechend war die Situation zu Beginn meiner Amtszeit gelinde – und mit dem bekannten britischen Understatement – gesagt ein wenig anders als die, die zum Ende vorherrscht. Die Zeit dazwischen schien ganz im Zeichen des alten chinesischen Spruchs „Mögest du interessante Zeiten haben“ zu stehen.

 

Die Wahl von Papst Franziskus als erstem nichteuropäischen Pontifex seit rund 1500 Jahren und die politischen und institutionellen Auswirkungen der europäischen Parlamentswahlen 2014 haben sich auch auf die Arbeit und den Auftrag der COMECE ausgewirkt. Für den neuen Bischof von Rom ist Europa nicht das Zentrum der Welt. Gleichwohl haben sein Besuch in Straßburg und seine unmissverständliche Botschaft gezeigt, dass Papst Franziskus das europäische Projekt überaus ernst nimmt. Europa trägt dieser Tatsache Rechnung, indem es sich dafür ausgesprochen hat, dass dem argentinischen Papst 2016 der Internationale Karlspreis zu Aachen verliehen wird. Der Horizont von Papst Franziskus ist allerdings breiter, naturgemäß wendet er den Blick immer wieder Richtung Heimat. Der Blick der katholischen Kirche dagegen ist nach wie vor fest auf Europa und den europäischen Ball gerichtet (und dies nicht nur aufgrund der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft). Die COMECE nimmt eine starke und konzentrierte Führungsposition wahr. Auch das Team des COMECE-Sekretariats engagiert sich mit guten und kreativen Ideen. Es ist ein Vermächtnis für Europa, an dem der scheidende Generalsekretär mit großem Einsatz mitgewirkt hat.

 

Während die Fluten für den seit 2012 im Amt befindlichen Generalsekretär zurückweichen, ist die ruhige See, die einst das friedliche, wohlhabende und zukunftsorientierte Europa nur zu gut beschrieb, zu einem dunklen und stürmischen Meer geworden. Ein biblisches Bild, das sowohl der Kirche als auch unserem Kontinent in diesen unruhigen Zeiten den nötigen Trost verschaffen könnte, ist das von Jesus im Boot. Als der Sturm über dem See aufzog, „stand er auf und drohte dem Wind und dem See“. Europa befindet sich derzeit im Zentrum eines gewaltigen Sturms. Ich, der zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung mit Dank verabschiedet wurde, bin davon überzeugt, dass der Herr auch am Ruder der COMECE steht.

Patrick H. Daly

 COMECE

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

 

 

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