Samstag 26. Mai 2018
#212 - Februar 2018

Die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft

Zehn Jahre nach seinem EU-Beitritt übernimmt Bulgarien erstmalig den rotierenden Vorsitz im Rat der Europäischen Union. „Dies ist eine große Herausforderung und eine große Verantwortung für unser Land“ meint Mgr Proykov. Bulgarien hat für seine erste EU-Ratspräsidentschaft das Motto „Gemeinsam sind wir stark“ gewählt, das auch gleichzeitig der nationale Leitspruch ist.

Die größte Leistung des europäischen Projekts bestand darin, Trennungen zu überwinden und einen gespaltenen Kontinent zu vereinen auf dem Weg zur Verwirklichung des jahrhundertelangen Traums seiner Bewohner von einem Leben in Frieden, Freiheit, Wohlstand und Gerechtigkeit.

 

Erinnern wir uns an die Worte, die Papst Franziskus an die Teilnehmer des 2017 in Rom von der COMECE organisierten Diskussionsforums (Re)Thinking Europe. Ein christlicher Beitrag zur Zukunft des europäischen Projekts richtete: „Der erste und vielleicht größte Beitrag, den die Christen dem heutigen Europa bringen können, ist es, daran zu erinnern, dass es nicht eine Ansammlung von Zahlen oder Institutionen ist, sondern aus Menschen besteht.“Als europäische Bürger und Christen sind wir aufgerufen, alle Anstrengungen zu unterstützen, die die führenden EU-Politiker zur Stärkung der Werte der europäischen Gründerväter unternehmen. Dazu müssen wir gemeinsame Probleme gemeinschaftlich lösen, indem wir uns auf unsere miteinander geteilte Geschichte besinnen, und erkennen, dass das europäische Projekt weit mehr ist als ein gemeinsamer Markt, nämlich eine gemeinsame europäische Familie oder – man denke an ihren früheren Namen – eine europäische Gemeinschaft.

 

Die katholische Kirche in Bulgarien wird alle Initiativen unterstützen, die von der bulgarischen Ratspräsidentschaft ergriffen werden, um die Werte zu stärken, die den europäischen Gründervätern am Herzen lagen, wie Menschenwürde, Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit, und um diese Werte in den einzelnen Bereichen der für ihre Amtszeit festgelegten Schwerpunkte umzusetzen: Die Zukunft Europas und die jungen Menschen – Wirtschaftswachstum und sozialer Zusammenhalt; der westliche Balkan – eine gemeinsame europäische Perspektive; Sicherheit und Stabilität in einem starken und geeinten Europa; digitale Wirtschaft und zukunftsgerechte Kompetenzen.

 

Die katholische Kirche hat den Prozess der europäischen Integration als einen Prozess des Friedens und des Wohlstands all seiner Mitglieder von Beginn an unterstützt. Integration bedeutet, dass Unterschiede als Bereicherung empfunden werden. Wir beten dafür, dass die führenden EU-Politiker den Menschen als grundlegenden Teil der Gemeinschaft wieder in den Mittelpunkt stellen und die Würde der Familie als der Urform der Gemeinschaft neu entdecken. Sowohl die katholische Kirche als auch die europäischen Institutionen müssen sich für junge Menschen einsetzen, indem sie deren wichtige Rolle in der Gesellschaft stärken und ihnen die Möglichkeit geben, Gestalter von Wandel und Veränderung in unserer europäischen Familie zu werden.

 

Die Länder des westlichen Balkans haben, geschichtlich und geografisch bedingt, besondere Beziehungen zu Bulgarien. Im Rahmen der Erweiterungspolitik der EU unterhalten sie auch eine besondere Beziehung zur Europäischen Union. Wir hoffen, dass das EU-Westbalkan-Gipfeltreffen in Sofia im kommenden Mai positive Signale aussenden und die europäische Perspektive und das Engagement für diese Länder in Südosteuropa neu bekräftigen wird. Wir sind der Überzeugung, dass Europa mehr als nur ein „geografisches Gebiet” ist und dass die Europäische Union nicht allein auf ihre wirtschaftliche Dimension reduziert werden kann.

Im Lichte unserer Anstrengungen und der im christlichen Glauben verwurzelten Werte, die weithin geteilt werden und sich 2000 Jahre lang bewährt haben, können alle derzeitigen Herausforderungen und künftigen Fähigkeiten zum Anlass werden, den Menschen und die Gemeinschaft wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu bedarf es eines allumfassenden Dialogprozesses, der von Solidarität geprägt ist und zu Frieden und nachhaltiger Entwicklung beiträgt.

 

+Christo Proykov

 

Apostolischer Exarch von Sofia und Vorsitzender der Interrituellen Bischofskonferenz Bulgariens

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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