Mittwoch 21. November 2018
#213 - März 2018

Die europäische Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft

2015 hat die Europäische Kommission einen Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft mit dem Titel „Den Kreislauf schließen“ veröffentlicht. Mit ihrem Maßnahmenpaket möchte sie den Lebenszyklus von Produkten durch die Förderung von Recycling und Wiederverwertung optimieren.

Die Rolle der Europäischen Union

Aufgrund der verwendeten Produktionstechniken, der Toxizität der Bestandteile, die freigesetzt werden, wenn sie im Rahmen ihrer Entsorgung verbrannt werden sowie der Schäden, die durch den unkontrolliert hinterlassenen Abfall in der Umwelt hervorgerufen werden, sind Kunststoffe eine der Hauptursachen für die Umweltverschmutzung. Besonders ernst ist die Lage in den Weltmeeren: 80 % des dort eingesammelten Abfalls besteht aus Kunststoff. Problematisch ist auch die wachsende Menge an Mikrokunststoffen, kleinen Plastikteilchen von weniger als fünf Millimetern Durchmesser, da sie schwerwiegende Folgen für die Biodiversität und die Gesundheit der Meere haben können. In der Natur landende Kunststoffe, die oft nur einmal benutzt und weder korrekt recycelt noch entsorgt wurden, verursachen nicht nur Umweltschäden, sondern stellen eine Bedrohung für die Gesundheit und eine volkswirtschaftliche Verschwendung dar.

 

Die Europäische Union (EU) spielt eine wichtige Rolle rund um das Thema Plastik. Wirtschaftlich gesehen ist sie nach China der zweitgrößte Kunststoffhersteller weltweit. EU-weit zählt die Kunststoffbranche rund 60'000 Unternehmen mit mehr als anderthalb Millionen Beschäftigten. Gleichzeitig produzieren die EU-Länder auch die größte Menge an Kunststoffabfällen (25,8 Millionen Tonnen pro Jahr), während die Recyclingrate mit 30 % nach wie vor viel zu niedrig ist. Mit dem Ziel, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie die wirtschaftlichen Interessen des Produktionssektors in Einklang zu bringen, bemüht sich die EU seit mehreren Jahren, die Wiederaufbereitung von Kunststoffabfällen zu verbessern und gleichzeitig die Verwendung von Kunststoffen, beispielsweise von Plastiktüten zu reduzieren.

 

Die neue europäische Strategie

Seit Januar 2018 hat die EU ihre diesbezüglichen Initiativen in den größeren Kontext der Kreislaufwirtschaft der europäischen Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft eingebettet. Sie schlägt darin „eine neue Kunststoffwirtschaft“ vor, deren Grundgedanke darin besteht, den Lebenszyklus eines Produktes durch dessen Wiederverwendung und Instandsetzung einerseits, aber auch durch mehr Recycling und die verstärkte Nutzung nachhaltiger Materialien zu verlängern. Investitionen in neue Materialien und Produktionstechniken sollen dabei zum einen die Wirtschaft fördern, zum anderen die Umwelt schonen und die Lebensqualität verbessern. Diese Entscheidung gilt als strategisch, da sie einen konkreten Beitrag zur Erfüllung der von der EU bei der COP 21 in Paris eingegangenen Klimaschutz-Verpflichtungen sowie zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen bis 2030 leistet.

 

In ihrem Dokument spricht die Kommission ausdrücklich von 2030 als dem Jahr, bis zu dem eine Reihe von Zielen erreicht werden soll. Zu diesen Zielen gehören u. a.: die Einführung wiederverwertbarer oder recycelbarer Kunststoffverpackungen auf dem europäischen Markt; die Erhöhung des Anteils an recyceltem Kunststoffabfall von 30 % auf 50 %; der Anstieg des Marktanteils für recycelte oder innovative Kunststoffprodukte; die Verringerung der CO2-Emissionen sowie der Abhängigkeit von fossilen Energien durch besseres Recycling und verstärkte Wiederverwertung; die Reduzierung der Menge an Mikrokunststoffen im Wasser; die Bekämpfung des Eintrags von Kunststoffen in die Umwelt; die Reduzierung der Anzahl von Einweg-Plastiktüten auf 90 pro Person im Jahre 2019 und auf 40 im Jahre 2026.

 

Eine Herausforderung, die eine breite Zusammenarbeit erfordert

Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es einer breiten Zusammenarbeit aller Betroffenen (Akteure aus dem Bereich der Kunststoffindustrie, Bürgerinnen und Bürger, lokale und nationale Institutionen der Mitgliedstaaten) sowie des Einsatzes verschiedener Instrumente. Vor diesem Hintergrund spricht sich die EU-Kommission zum einen für eine Überarbeitung der bestehenden Rechtsvorschriften, wie etwa der Verpackungsrichtlinie, sowie für die Einführung neuer Standards wie der Richtlinie über Schiffsabfälle aus. Zum anderen fordert sie mehr Investitionen in Infrastruktur und Innovation, da vor dem Hintergrund des steigenden Bedarfs an Kunststoffrecycling neue Konzeptionsmethoden für Materialien und Produkte benötigt werden. Ferner plant sie, die bereits im Rahmen verschiedener europäischer Fonds und Programme bereitgestellten Finanzmittel (Strukturfonds, Horizont 2020) bis zum Jahre 2020 um weitere 100 Millionen Euro aufzustocken.

 

Das von der Kommission vorgestellte Programm ist ehrgeizig, sowohl mit Blick auf die Ziele als auch auf den zur Erreichung besagter Ziele gewählten integrierten Ansatz. Letztendlich geht es darum, neue Produktionsmethoden einzuführen, die das Wirtschaftssystem beeinflussen und darauf hinwirken, dass die Bürgerinnen und Bürger ihre Lebensweise bzw. ihr Konsumverhalten ändern. Somit wird der Erfolg dieser Initiative neben den rechtlichen und finanziellen Instrumenten davon abhängen, ob es der EU gelingt, die betroffenen Akteure (öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger) stärker für diese Problematik zu sensibilisieren, sodass eine echte Kreislaufwirtschaft entstehen kann.

 

Mit diesem Artikel soll verdeutlicht werden, wie wichtig diese Initiative ist und wie sehr sich die Kunststoffproblematik auf diverse Bereiche (Umwelt, Wirtschaft, Lebensqualität) auswirkt. Auf der Suche nach neuen Zukunftsperspektiven kann man sich von unterschiedlichen Ideen und Kriterien leiten lassen. Zu diesen gehört – darauf sei ausdrücklich hingewiesen – auch die von Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si‘ dargestellte Perspektive einer ganzheitlichen Ökologie, ein Blickwinkel, mit dem wir uns stärker auseinandersetzen sollten.

 

Giuseppe Riggio SJ

Redaktionsbüro von Aggiornamenti Sociali

 

 

Originalfassung des Artikels: Italienisch

 

Der vorliegende Artikel ist ein Auszug aus einem Artikel, der in Aggiornamenti sociali erschienen ist.

 

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