Freitag 20. Oktober 2017
#194 - Juni 2016

Die Umsetzung des Übereinkommens von Paris schreitet voran

Von April an haben die nationalen Regierungen nunmehr ein Jahr Zeit, um das bei der COP21 in Paris erreichte Klimaschutzübereinkommen zu ratifizieren, der letzte Schritt, bevor es endgültig in Kraft treten kann.

Die internationale Gemeinschaft hat das im vergangenen Dezember von der Konferenz der Vertragsparteien (COP 21) im Rahmen der UN-Klimaschutzkonferenz von Paris erreichte umfassende Übereinkommen über Klimaänderungen mit großer Begeisterung aufgenommen. Seit seiner ersten Veröffentlichung ist das Übereinkommen von vielen analysiert worden, so auch von uns in Europe Infos. Auch wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die grundlegenden Verhandlungsziele erreicht wurden. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Wert von 2° C als Obergrenze für den durchschnittlichen Temperaturanstieg festgelegt werden muss; man hat sich dazu verpflichtet, die entsprechenden finanziellen Mittel bereitzustellen und hat die Anerkennung der gemeinsamen, wenn auch unterschiedlichen Verantwortlichkeiten als Leitprinzip verankert.

 

Im Rahmen dieses Übereinkommens wurden zudem pragmatische Lösungen für die umstrittensten Fragen gefunden. So einigte man sich auf freiwillige nationale Ziele, die eine Wahrung der nationalen Souveränität gewährleisten, und vereinbarte regelmäßige Überprüfungen, mit Hilfe derer die gemeinsamen Verantwortlichkeiten in Zukunft effizienter verteilt werden können.

 

Zeit für die Ratifizierungen

Nach der Billigung des Pariser Übereinkommens beginnt nun die Phase, in der die nationalen Regierungen ihre jeweiligen Verfahren zur Hinterlegung ihrer „Ratifikations-, Annahme-, Genehmigungs- oder Beitrittsurkunden“ einleiten. Begonnen hat diese Phase am 22. April 2016 im Rahmen einer hochrangig besetzten Feierstunde im UN-Hauptquartier in New York und sie wird bis zum 17. April 2017 dauern. Um in Kraft treten zu können, muss das Übereinkommen von mindestens 55 der 195 Ländern ratifiziert werden, die nicht nur Vertragsstaaten der UN-Konvention sein müssen, sondern auf die insgesamt ein Anteil von mindestens 55 % der gesamten weltweiten Treibhausgasemissionen entfällt. Die Chancen, dass das Übereinkommens ratifiziert wird, stehen gut, da Länder wie China, die USA, Indien, Russland, Japan und die Europäische Union, die zusammen für über 70 % der weltweiten Emissionen verantwortlich sind, bereits ihre Bereitschaft zur Ratifizierung signalisiert haben.

 

Zum Zeitpunkt der Ratifizierung des Übereinkommens ist jedes Land zudem gehalten, seinen ersten national festgelegten Beitrag zu leisten. Bei diesen „Beiträgen“ handelt es sich um die von den einzelnen Ländern angestrebten Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels haben lediglich 17 Länder ihre offiziellen Ratifizierungsurkunden hinterlegt, aber die internationale Gemeinschaft ist zuversichtlich, dass das Quorum von 55 erreicht wird. Es gibt sogar Stimmen, die davon ausgehen, dass das Übereinkommen bereits 2018 und nicht erst 2020 voll funktionsfähig sein wird.

 

Kurz gesagt hängt vom Zeitpunkt der Ratifizierung also auch der Zeitpunkt der Implementierung durch die einzelnen Länder ab. Es muss auf eine „Dekarbonisierung“ der Wirtschaft hingewirkt werden. Dies wird unweigerlich zu einer Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien führen. Nach der Ratifizierung des Übereinkommens müssen die einzelnen Staaten nicht nur ihre Bereitschaft zur Umsetzung der von ihnen proklamierten nationalen Beiträge unter Beweis stellen, sondern konkrete Maßnahmen ergreifen.

 

Unterschätzte Kosten

Zuversicht besteht auch mit Blick darauf, dass die finanziellen Verpflichtungen – welche auf 110 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2050 geschätzt werden – erfüllt werden. Berichten zufolge, die die OECD während der COP 21 veröffentlichte, wurden bereits über 60 % dieser Summe durch die internationale Gemeinschaft investiert. Nichtsdestoweniger heißt es in einem unlängst vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen herausgegebenen Bericht, dass die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel bislang unterschätzt worden sind. Laut diesem Bericht wird vielmehr das Vier- bis Fünffache dieses Betrags erforderlich sein, um den Herausforderungen des Klimawandels bis zum Jahre 2050 zu begegnen.

 

Auch wenn es sich hierbei nur um geschätzte Zahlen handelt, welche weiter erforscht und bestätigt werden müssten, ist es interessant zu beobachten, dass heute mehr Stimmen laut werden, die eine stärkere Berücksichtigung der Anpassungsproblematik fordern, als noch vor der letzten Verhandlungsrunde. Schaut man sich diejenigen an, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, wird klar, wie wichtig die Anpassung geworden ist.

 

Unsere Ansicht nach geht die Entwicklung des Übereinkommens von Paris in die richtige Richtung. Obwohl noch nicht alle Gefahren gebannt sind, müssen wir anerkennen, dass wir heute zumindest einen einheitlichen Rechtsrahmen haben, der uns positiv stimmen oder aber zumindest die Hoffnung aufkeimen lässt, dass die diesbezüglichen internationalen Verhandlungen vom Grundprinzip des Verantwortungsbewusstseins gelenkt werden.

 

Der Einfluss von Laudato si’

Wir begehen derzeit den ersten Jahrestag der Enzyklika Laudato sí von Papst Franziskus. Diese Enzyklika hat den Ausgang der Pariser Klimaschutzkonferenz mit Sicherheit sehr positiv beeinflusst. Die Stimme des Papstes und durch ihn die der Kirche waren eine wichtige moralische Unterstützung auf dem Weg zu einem ehrgeizigen und verbindlichen Übereinkommen. Natürlich steht die Zivilgesellschaft vor immensen Herausforderungen. Die Enzyklika zeigt aber, dass auch die Kirche in Sachen Umweltschutz einen langen Weg vor sich hat.

 

Nach dem lebhaften Echo, das das Erscheinen der Enzyklika ausgelöst hatte, konzentrierte man sich darauf, den Inhalt des päpstlichen Schreibens zu verstehen. Nun aber müssen wir alles daran setzen, die Umweltproblematik als festen Bestandteil nicht nur unseres Denkens, sondern auch unserer Lebensweise zu verankern. Gelingt uns dies, wird dies der größte Beitrag sein, den die Kirche in diesem Zusammenhang leisten kann.

 

Jose Ignacio Garcia SJ

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

Teilen |
europeinfos

Monatliche Newsletter, 11 Ausgaben im Jahr
erscheint in Deutsch, Englisch und Französisch
COMECE, 19 square de Meeûs, B-1050 Brüssel
Tel: +32/2/235 05 10, Fax: +32/2/230 33 34
e-mail: europeinfos@comece.eu

Herausgeber: Fr Olivier Poquillon OP
Chefredakteure: Johanna Touzel und Martin Maier SJ
© design by www.vipierre.fr

Hinweis: Die in europeinfos veröffentlichten Artikel geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht unbedingt die Meinung der COMECE und des Jesuit European Office dar.
Darstellung:
http://www.europe-infos.eu/