Mittwoch 19. Dezember 2018
#214 - April 2018

Ein Fellowship-Programm für europäische Führungskräfte

-> JESC bietet Fortbildungsmöglichkeit an

 

Im Rahmen des jüngsten Dialogforums „Europa neu denken“ in Rom wurde wiederholt gefordert, künftige europäische Führungskräfte im Geiste der Christlichen Soziallehre zu schulen. Das Jesuit European Social Centre bietet ab Januar 2019 eine neue Fortbildungsmöglichkeit.

Seit zehn Jahren ist Europa mit mehreren Krisen konfrontiert, die sich auf seine Wirtschaft (den Euro), seine Bevölkerung (Arbeitslosigkeit, Migration) und sogar die Grundlage der Union (Brexit) ausgewirkt haben. Und die Zukunft hält weitere Herausforderungen bereit: die Polarisierung der europäischen Demokratien, den Populismus in der öffentlichen Debatte, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, den Aufbau einer europäischen Identität oder die Situation der Migranten und Flüchtlinge, die ihr Leben riskieren, indem sie das Mittelmeer überqueren. Um diese großen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir bessere europäische Führungspersönlichkeiten, die unsere Gesellschaft mit politischer Führungsstärke und christlichen Prinzipien leiten können.

 

Die Seele Europas sein

 

Papst Franziskus ruft die Christen auf, die Seele Europas zu sein. Diese Worte waren eine der Inspirationsquellen für das Fellowship-Programm: Wir müssen dem Aufruf des Papstes folgen und zur Seele Europas werden. Der neue Präsident der COMECE Erzbischof Jean-Claude Hollerich SJ brachte es so zum Ausdruck: „Wir müssen uns zusammenschließen und Brücken bauen“.

 

Es gibt bereits diverse Ausbildungsmöglichkeiten zur Entwicklung von Führungkompetenz und politischen Fähigkeiten. Was macht dieses Programm anders und einzigartig? Knapp zusammengefaßt: wir wollen den ausgewählten Teilnehmern ein umfassendes und ganzheitliches Schulungsprogramm bieten, das ihr theoretisches Wissen verbessert und ihnen einen auf Erfahrung aufbauenden Kurs in Brüssel anbietet.

 

Um es mit den Worten des Schweizer Psychiaters und Psychoanalytikers Carl Gustav Jung zu sagen: „Sie mögen alle Theorien kennen und alle Techniken beherrschen - aber wenn Sie eine menschliche Seele berühren, seien Sie einfach nur eine menschliche Seele.“ Eine Führungskraft zu sein bedeutet, andere Seelen zu bewegen und sich in sie und ihre Bedürfnisse hineinzuversetzen. Dazu ist es wichtig, zunächst die eigene Seele zu verstehen und sie in sozialen und menschlichen Fähigkeiten ausbilden zu lassen. Diese Lerndienst-Erfahrung bietet die Möglichkeit, von und mit anderen zu lernen und gleichzeitig in unseren Gemeinschaften etwas zu bewegen. Zu den wichtigen Bestandteilen des Programms gehören somit die Christliche Soziallehre, die geistliche Begleitung und das Leben in einer Gemeinschaft.

 

Methode und Inhalt des Fellowship-Programms

 

Das Fellowship-Programm soll junge, begeisterte Führungskräfte ansprechen, die bereit sind, ihre Leitungskompetenzen in den Bereichen internationale Politik und Interessenvertretung zu entwickeln. Im Herzen Europas werden sie neun bis zehn Monate lang zusammenleben und in dieser Zeit im Rahmen praktischer und theoretischer methodischer Ansätze ihre Fähigkeiten entwickeln. Die Aktivitäten des Fellowship-Programms bestehen aus sechs korrelierenden Säulen: Spiritualität und Unterscheidung; politische Erfahrung; Bildung: Kurse und Workshops; Gemeinschaftsleben; soziales Engagement mit ausgegrenzten Menschen; Reisen nach Rom und zu anderen wichtigen Orten.

 

Die Teilnehmer erhalten geistliche Begleitung und eine Ausbildung ihres Unterscheidungsvermögens in der Tradition der ignatianischen Spiritualität. Durch Exerzitien, Weiterbildung, Leitung, Gruppenarbeit und Gemeinschaftsleben verbessern sie ihre Selbsterkenntnis, um andere besser verstehen zu lernen. Ein weiteres wesentliches Element ist die Erfahrung des Zusammenlebens unter einem Dach als Gemeinschaft. Diese Erfahrung wird sich auf die Charakterbildung konzentrieren; entscheidende Elemente dabei sind das Leben in der Gemeinschaft und gemeinsameGrundanliegen in den Bereichen geistliche Begleitung,, ökologische Wachsamkeit und internationale Gastfreundschaft. „Christen sind keine Interessensgruppe, die sich für die Religionen einsetzt, sondern europäische Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Aufbau Europas, unseres gemeinsamen Hauses, einsetzen“, betonte Erzbischof Jean-Claude Hollerich.

 

Die Teilnehmer werden das administrative und politische Leben der EU-Institutionen kennenlernen und mit führenden Politikern zusammentreffen. Ergänzend zu den Trainingseinheiten werden ihnen Module und Workshops angeboten, die die Reflexion und Diskussion über relevante europäische Themen wie Migration und Flüchtlinge, Sicherheit und Verteidigung, Umwelt und Klimawandel und andere brennende Themen anregen.

 

Das Magis-Projekt bietet im Geist eines Freiwilligeneinsatzes die Erfahrung, in einer marginalisierten Gemeinschaft zu leben und dieser zu dienen (in Brüssel oder Afrika). Schließlich haben die Teilnehmer die Möglichkeit, andere Orte wie den Vatikan, EU-Institutionen und Agenturen in Brüssel, Luxemburg oder Straßburg zu besuchen.

 

Der erste Kurs des Programms beginnt im Januar 2019. Interessierte Kandidaten können apply@jesc.eu  kontaktieren, um weitere Informationen anzufordern.

 

Iciar Villacieros

JESC 

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

Teilen |
europeinfos

Monatliche Newsletter, 11 Ausgaben im Jahr
erscheint in Deutsch, Englisch und Französisch
COMECE, 19 square de Meeûs, B-1050 Brüssel
Tel: +32/2/235 05 10, Fax: +32/2/230 33 34
e-mail: europeinfos@comece.eu

Herausgeber: Fr Olivier Poquillon OP
Chefredakteure: Martin Maier SJ

Hinweis: Die in europeinfos veröffentlichten Artikel geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht unbedingt die Meinung der COMECE und des Jesuit European Office dar.
Darstellung:
http://www.europe-infos.eu/