Freitag 18. August 2017
#195 - Juli-August 2016

Energiemix in der EU nach der COP21

Es wird Zeit, das Übereinkommen von Paris umzusetzen. Im Rahmen des neuen Energiemixes wird eindeutig auf erneuerbare Energien gesetzt. Ungeachtet der zu erwartenden Schwierigkeiten sollte die EU an diesem ehrgeizigen Ziel festhalten.

Solar panels and wind turbines with city

Im Nachgang zur COP21 veröffentlichte die Europäische Kommission im Juni 2016 – mitten im Ratifizierungsprozess des Übereinkommens von Paris – eine Mitteilung, in der sie ihre „Umsetzungsstrategie“ für dieses Übereinkommen vorstellt. Nach den Worten von Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimaschutz und Energie, bedeutet dies, dass „das Klima- und Energiepaket ohne Verzögerung bis 2030 umgesetzt werden soll“. Die Europäische Kommission setzt auf ihre Mitteilung, um die Aufmerksamkeit der EU-Mitgliedstaaten auf die zur Reduzierung der CO2-Emissionen in den vom Emissionshandelssystem nicht betroffenen Sektoren erforderlichen Maßnahmen zu lenken, so in den Bereichen Verkehr, Bauwesen und Landwirtschaft.

 

Im Oktober 2014 einigte sich der Europäische Rat auf den Klima- und Energierahmen 2030, in dem die EU ehrgeizige Ziele für eine drastische Reduzierung der Treibhausgasemissionen formuliert und sich für die Förderung einer emissionsarmen Wirtschaft durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und mehr Energieeffizienz einsetzt. Im Klima- und Energierahmen werden hierzu drei Hauptziele für das Jahr 2030 genannt: eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 % (gegenüber den Werten von 1990), die Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien auf mindestens 27 % und eine Verbesserung der Energieeffizienz ebenfalls um mindestens 27 %.

 

Erforderliche Veränderungen

Nach der COP21 sind mehrere Zukunftsszenarien möglich. Die Weltwirtschaft wächst sowohl im Hinblick auf die Produktion als auch auf den Verbrauch, mit der Folge, dass mehr Energie erforderlich sein wird, welche daher wesentlich effizienter sein muss. Wenn wir diese Ziele bis 2030 erreichen wollen, müssen wir konsequente politische Maßnahmen ergreifen, die es ermöglichen, die EU zu einer „kohlenstoffarmen“ Wirtschaft auf der Grundlage von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zu machen. Wenn es gelingen soll, das Übereinkommen von Paris mit Leben zu erfüllen, „brauchen wir neben raschen Veränderungen im Stromsektor und im Pkw-Verkehr in sämtlichen Bereichen erhebliche Verbesserungen bei der Energieeffizienz“, betonte Eirik Waerness, Chefökonom von Statoil unlängst anlässlich einer vom European Policy Centre in Brüssel organisierten Veranstaltung.

 

Heute versucht die EU ihre Gesetzgebung über erneuerbare Energien zu verbessern, um sicherzustellen, dass die für 2030 anvisierten Ziele erreicht werden. „Noch in diesem Jahr werden wir einen Vorschlag über eine Vertiefung der regionalen Zusammenarbeit zwischen den EU-Staaten erarbeiten, mit dem Ziel, dafür zu sorgen, dass die erneuerbaren Energien zur Antriebskraft für unsere Stromversorgungssysteme werden“, betonte Cañete. Ziel der EU sei es, so der EU-Kommissar, einen Energiemarkt im Dienste der erneuerbaren Energien zu schaffen und nicht umgekehrt.

 

Das Übergangsszenario

Das ehrgeizigste Energiemixszenario als Reaktion auf die Herausforderungen des Klimawandels ist jenes, das in erster Linie auf erneuerbare Energien setzt. Diese Option erfordert grundlegende Veränderungen bei der Stromgewinnung. So müssten bis 2040 rund 40 % des weltweiten Stroms aus Sonnen- und Windenergie gewonnen werden. Bedenkt man, dass es heute lediglich 5 % sind, wird deutlich, dass ein rascher Wandel erforderlich ist. Hierzu werden erhebliche Investitionen in neue erneuerbare Energien benötigt und wie Waerness sagt: „Wir müssen aus der Kohle aussteigen“. Für einige der EU-Mitgliedstaaten ist dies mit Sicherheit keine einfache Aufgabe.

 

Für Laura Cozzi von der Internationalen Energie-Agentur basiert das Übergangsszenario – welches den Zeitraum vom heutigen Tag bis 2030 abdeckt – auf fünf Maßnahmen: Erhöhung der industriellen Energieeffizienz, eine höhere Effizienz im Bau- und Transportwesen, die schrittweise Rückführung der am wenigsten effizienten Kohlekraftwerke sowie das Verbot des Neubaus solcher Anlagen, verstärkte Investitionen in erneuerbare Technologien im Energiesektor, im Rahmen dessen eine Umsatzsteigerung von 270 Milliarden US-Dollar im Jahre 2014 auf 400 Milliarden US-Dollar 2030 erwartet wird, der schrittweise Abbau der Subventionen für fossile Brennstoffe für den Endverbraucher bis 2030 und die Reduzierung der Methanemissionen aus der Erdöl- und Erdgasproduktion.

 

Wenn die Ergebnisse der COP21 umgesetzt werden sollen, müssen wir dringend handeln und dies bedeutet, dass der europäische Energiesektor mit gutem Beispiel vorangehen muss. Zum einen müssen wir eine stabile und nicht allzu kostspielige Energieversorgung sicherstellen, die die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie nicht gefährdet, zum anderen muss die EU den europäischen Volkswirtschaften, die noch immer stark von der Kohle abhängig sind, beim Übergang zu erneuerbaren Energiequellen behilflich sein. In jedem Fall aber sollte die EU an diesen ehrgeizigen Zielen festhalten und erkennen, worum es wirklich geht: die Bekämpfung der globalen Erderwärmung und des vom Menschen verursachten Klimawandels. Beidem müssen wir mit auf begründeten Überzeugungen basierender Zuversicht und mit allen verfügbaren Mitteln entgegengetreten.

 Paula Sendin

JESC

 

 Originalfassung des Artikels: Englisch

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