Montag 20. November 2017
Oktober Ausgabe #208

Europa neu denken, um Europa zu erneuern

Bei klarer Sicht über dem Ärmelkanal zeigt sich an den französischen Stränden in der Ferne die Küste von Großbritannien. Lediglich 34 Kilometer trennen die weißen Klippen von Dungeness vom europäischen Festland - eine Distanz, die nach der Abstimmung über den Brexit wie ein Steinbrocken die Gedanken derer belastet, die an den europäischen Traum glauben.

Dennoch kann eine Volksabstimmung allein nicht die historische und kulturelle Verbindung zwischen Großbritannien und dem Kontinent lösen. Auch wenn London beschlossen hat, aus der EU auszutreten, so verlässt es Europa nicht. Anders ausgedrückt: Schließlich kann Geographie nicht durch eine Volksabstimmung geändert werden.

 

Dies meine ich nicht nur rhetorisch: Auch nach einem Brexit bleiben die Menschen auf beiden Seiten des Kanals europäisch. Sie werden weiterhin Töchter und Söhne von Prinzipien sein, die gegen bestimmte Interessen, Hass und blinde Ideologien gekämpft haben, die Europa zuvor seit Jahrhunderten überschattet hatten.

 

In Großbritannien wie in jedem anderen europäischen Land, von der größten Metropole bis zum kleinsten Dorf auf dem Land, werden die Menschen weiterhin nach Frieden und Demokratie, Pluralismus und Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten streben; und das Bild, das sie im Sinn haben werden, sind die gelben Sterne auf dem blauen Grund der Flagge der Europäischen Union.

 

Trotz der Schwächung durch den Brexit und einer allgemeinen Europamüdigkeit bleibt das europäische Projekt die einzige Friedensgarantie für unseren Kontinent. Deshalb ist es notwendig, dieses Projekt mit individuellen und gemeinsamen Anstrengungen zu nähren und zu erneuern, um die Würde der menschlichen Person und des Gemeinwohls in den Mittelpunkt der europäischen Politik zu stellen.

 

Die Europäische Kirche und ihre Bischöfe wie auch die wichtigsten Akteure der europäischen Gesellschaft sind diesen Bemühungen verpflichtet und wollen ihren Beitrag - einen christlichen Beitrag auf der Grundlage der kirchlichen Soziallehre - für die Zukunft des europäischen Projekts leisten. Dies ist eine der grundlegenden Motivationen, die hinter der Ausrichtung der Veranstaltung (Re-)thinking Europe stehen. Dieses internationale und multidisziplinäre Dialogforum wird vom 27. bis 29. Oktober im Vatikan kirchliche als auch politische Führungspersönlichkeiten zum zentralen Thema der europäischen Zukunft zusammenbringen.

 

60 Jahre nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge, die als Gründungsakt die Basis der Idee der Europäischen Union verkörpert, ist (Re-)thinking Europe in Form eines Dialogs organisiert, der einen freien und respektvollen Austausch von Ideen, Erfahrungen und Meinungen ermöglichen soll. Anstelle eines Kongressansatzes oder einer Rollenverteilung wird diese Veranstaltung aus einer offenen Diskussion zwischen Männern und Frauen, politischen Akteuren und Vertretern der Kirche bestehen. Somit wird der Dialog das Werkzeug einer neue Reflexion - über Europa, die Europäische Union und das Friedensprojekt.

 

Bischof Gianni Ambrosio

Vizepräsident der COMECE

Teilen |
europeinfos

Monatliche Newsletter, 11 Ausgaben im Jahr
erscheint in Deutsch, Englisch und Französisch
COMECE, 19 square de Meeûs, B-1050 Brüssel
Tel: +32/2/235 05 10, Fax: +32/2/230 33 34
e-mail: europeinfos@comece.eu

Herausgeber: Fr Olivier Poquillon OP
Chefredakteure: Johanna Touzel und Martin Maier SJ
© design by www.vipierre.fr

Hinweis: Die in europeinfos veröffentlichten Artikel geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht unbedingt die Meinung der COMECE und des Jesuit European Office dar.
Darstellung:
http://www.europe-infos.eu/