Dienstag 23. Mai 2017
#184 - Juli/August 2015

Die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels: ökologische Schuld?

Für gewöhnlich denken wir bei Klimawandel an Phänomene wie Wirbelstürme, Überflutungen oder Dürren. Doch der Klimawandel hat auch wirtschaftliche Auswirkungen, die im Rahmen dieses Artikels näher beleuchtet werden sollen.

 

Nach der Veröffentlichung des Stern-Reports (2006) begann man damit, sich eingehender mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels zu befassen. Die wichtigste Schlussforderung des Stern-Reports lautet: Die Vorteile eines entschiedenen und frühen Handelns gegen den Klimawandel überwiegen die Kosten des Nicht-Handels bei weitem. Laut Stern-Report werden sich die Gesamtkosten des Klimawandels, falls wir untätig bleiben, auf mindestens 5 % des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr belaufen – jetzt und in absehbarer Zukunft. Im Falle schwerwiegenderer Auswirkungen könnten sie langfristig sogar auf 20 % des BIP oder mehr ansteigen. Stern folgerte daraus, dass jährlich 1 % des weltweiten BIP investiert werden müsse, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Klimawandel in der Folge wesentlich schneller voranschritt als erwartet, erhöhte Stern 2008 die zur Stabilisierung erforderlichen geschätzten jährlichen Kosten auf 2 % des BIP.

 

Volkswirtschaftlich werden die Auswirkungen des Klimawandels als „externe Effekte“ bezeichnet. Wirtschaftsakteure versuchen, mit ihren Aktivitäten Gewinne zu erzielen oder bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen, doch mitunter haben ihre Aktivitäten auch negative Auswirkungen: Umweltverschmutzung, die Erschöpfung natürlicher Ressourcen, welche für zukünftige Generationen nicht mehr zur Verfügung stehen oder die Ansammlung schädlicher Gase in der Atmosphäre, die zu einem Anstieg der globalen Erderwärmung führen. Im Falle des Klimawandels ist es schwieriger, einen unmittelbaren Kausalzusammenhang zu den Auswirkungen zu ermitteln, als bei anderen Problemen wie der Umweltverschmutzung oder der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen.

 

Emissionsminderung

Von zentraler Bedeutung für Wirtschaft und Klimawandel sind die Kosten der CO2-Minderung. An der Menge der ausgestoßenen Treibhausgase und ihrer Ansammlung in der Atmosphäre lässt sich ermessen, wie stark der Mensch in den Klimawandel eingreift. Zur Umkehrung bzw. Begrenzung des Klimawandels versucht der Mensch dementsprechend, die CO2-Emissionen zu verringern. Es gibt zwei grundlegende Indikatoren zur Ermittlung des Risikogrades.

 

Zum einen die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur. Letztere, so die Empfehlungen, sollte um nicht mehr als 2 ° bis 4 ° C steigen. Bei einem Temperaturanstieg um mehr als 4 ° C sind die Auswirkungen äußerst schwer zu ermitteln, es ist aber mit Sicherheit mit Katastrophen größeren Ausmaßes zu rechnen.

 

Der zweite Indikator ist die Anzahl der CO2-Partikel pro eine Million Luftpartikel. Als sichere Obergrenze für die CO2-Konzentration in unserer Erdatmosphäre gelten 350 Partikel pro Million (ppm). Dies sind Indikatoren, die bei jedweder Wirtschaftsanalyse berücksichtigt werden müssen und es sollte alles daran gesetzt werden, dass man unter diesen Grenzwerten bleibt.

 

Wir haben nun die physischen Indikatoren aufgezeigt, die uns vor den folgenschweren Auswirkungen des Klimawandels warnen. Genauso interessant aber ist es, sich diejenigen Wirtschaftsbranchen anzuschauen, die in erheblichem Maße für den CO2-Ausstoß verantwortlich sind. Dies sind in der Reihenfolge ihres Anteils: die Stromerzeugung (41 %), das Transportwesen (19 %), die Industrie (19 %), Gebäude (13 %) und andere (8 %). Anhand dieser Aufstellung können wir besser erkennen, an welcher Stelle wir mit unseren Bemühungen ansetzen sollten.

 

Das in diesem Zusammenhang am häufigsten angewandte ökonomische Analyseinstrument ist die Kosten-Nutzen-Analyse (KNA). Bei der KNA werden in einem ersten Schritt die Schäden beziffert, in einem zweiten Schritt die Kosten ermittelt und anschließend ein Diskontierungssatz zugewiesen. Da die Schäden jedoch mit einem gewissen Unsicherheitsfaktor behaftet sind, ist diese Art der Analyse nicht unbedingt verlässlich. Problematisch ist auch, dass die Verluste wesentlich höher ausfallen können als vorhergesagt und es schwierig ist, irreversible Verluste (Biodiversität) finanziell zu beziffern. Nicht nur die Schäden, auch die Kosten sind schwer zu ermitteln.

 

Die Höhe der Kosten für die CO2-Minderung hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt die Maßnahmen umgesetzt werden. Je länger es dauert, bis die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden, desto teurer werden sie. Andererseits könnten die Kosten aufgrund modernerer Technik auch sinken. Gleiches gilt für den CO2-Preis, der, wie die bereits existierenden Handelsmechanismen zeigen, an Aussagekraft verliert und nicht zum Handeln anregt, wenn er unrealistisch ist. Eine wichtige Rolle wird auch die internationale Zusammenarbeit spielen, denn je mehr Länder mitwirken, desto einfacher wird es sein, die Ziele der Emissionsbegrenzung zu erreichen. Je ehrgeiziger die Ziele der CO2-Minderung sind, desto teurer wird ihre Umsetzung. Auch die Diskontierungssätze haben Folgen. Je nach Diskontierungszeitraum – und hier geht es um große Zeiträume –, kommt es zu unterschiedlichen Auswirkungen.

 

Anhand der Kosten-Nutzen-Analyse ist zu erkennen, welche grundlegenden Anstrengungen die Wirtschaftsakteure für den Klimaschutz leisten müssen. Im Rahmen der wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels spielen neben den Kosten für die Emissionsminderung auch weitere Themen eine Rolle, wie die Kosten der Anpassung an den Klimawandel – eine noch ungeklärte Frage, da es heutzutage unmöglich ist, das zur Bewahrung des Lebens auf der Erde erforderliche Ausmaß an Anpassungsmaßnahmen zu beziffern.

 

Ein weiteres Thema ist der Transfer von Ressourcen in die weniger entwickelten Länder, die sogenannte „ökologische Schuld“, von der Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si“ spricht. Wobei unter Ressourcentransfer finanzielle Leistungen zur Unterstützung der Maßnahmen zur Emissionsminderung, aber auch technologischer Transfer zu verstehen ist. Wie all diese Maßnahmen finanziert werden sollen, steht auf einem anderen Blatt; um eine Ad-hoc-Besteuerung wird man wohl nicht umhinkommen. Ohne die Zusammenarbeit von privatem und öffentlichem Sektor wird es nicht gehen, letztendlich jedoch besteht die einzig realistische Option in der Entwicklung einer Wirtschaftsform, die stärker auf nachhaltige Produktionsweisen und ein entsprechendes Konsumverhalten zu setzen vermag.

 

Jose Ignacio Garcia

JESC

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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