Samstag 24. Juni 2017
#185 - September 2015

Nach Paris pilgern – geht doch!

Von Flensburg bis Paris: Klimaschützer und Pilgerbegeisterte haben sich zusammengeschlossen, um zum UN-Klimagipfel in die französische Hauptstadt zu wandern.

Das Jahr 2015 ist für unsere globale Klimapolitik von großer Bedeutung. Im Dezember dieses Jahres treffen sich die Staats- und Regierungschefs zum 21. UN-Klimagipfel in Paris. Das große Ziel: Nach mehreren verpassten Gelegenheiten endlich ein neues Klimaabkommen zu vereinbaren. Das ist auch dringend notwendig, denn viele Menschen – vor allem in den von Armut betroffenen Regionen – leiden schon heute unter den Folgen des von Menschen verursachten Klimawandels.

 

Papst Franziskus schreibt in seiner Enzyklika Laudato Si : „Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen; er stellt eine der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar“ (25).

 

Aus diesem Grund hat sich ein breites ökumenisches Bündnis aus Diözesen, Landeskirchen, Verbänden und Entwicklungsdiensten wie Misereor und Brot für die Welt gebildet, um die Aktion „Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ ins Leben zu rufen. Mit dieser Aktion wollen die Pilger vom 13. September bis 28. November auf die sozialen Folgen des Klimawandels aufmerksam machen und ihre Forderungen nach einem neuen wirksamen Abkommen unterstreichen.

 

"Der Klimawandel verschärft soziale Ungerechtigkeit", sagt Jan Christensen, einer der Initiatoren und Pastor für Umweltfragen in der Nordkirche (einer der evangelischen Landeskirchen in Deutschland). "Die Industriestaaten, die am meisten dazu beigetragen haben, leiden am wenigsten unter den Folgen. Dort aber, wo die Menschen arm sind, haben Überschwemmungen, Stürme, Hitze oder Dürren katastrophale Auswirkungen." Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland und Schirmherr des ökumenischen Pilgerwegs, erklärt: Klimaschutz und globale Gerechtigkeit gehören eng zusammen. Unser Glaube gibt uns Kraft, uns für beides einzusetzen – dies wird der Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit deutlich machen.”

 

Der Pilgerweg für Klimagerechtigkeit verbindet spirituelle Besinnung mit politischem Engagement. Durch Begegnung und inhaltlichen Austausch wird für eine Lebensweise geworben, die die Grenzen der Schöpfung achtet und die Ausbeutung von Mensch und Natur verhindert. Um dies zu veranschaulichen und selbst zu erfahren, führt der Weg vorbei an Positivbeispielen, wie etwa Gemeindehäusern mit Solaranlagen oder einem Tierpark zur Erhaltung alter Nutztierrassen. Außerdem besuchen die Pilger „Schmerzorte“, wie eine Anlage zur Massentierhaltung oder einen aktiven Braunkohletagebau. Zwischendurch gibt es Andachten, Gesprächsrunden und Workshops.

 

Der Pilgerweg führt in fast 1500 km von Flensburg nach Paris. In Metz stoßen weitere Pilger aus Ludwigshafen und aus Straßburg dazu. Ebenso unterschiedlich wie die Regionen und lokalen Eigenheiten der Bundesländer und Departements sind, wird auch das Angebot auf dem Weg sein. Es wird stille Wandertage geben, aber dazwischen auch große Veranstaltungen mit stärkerem politischem Fokus wie das Bergfest am 25. Oktober in Wuppertal mit etwa 200 Gästen.

 

Karin Kortmann, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken meint: Ein weiteres Vertagen und Verzögern von ambitionierten weltweiten Klimazielen führt zu einem globalen Kollaps. Die Aufschreie von Mensch und Natur sind nicht zu überhören.” Aus diesem Grund werden die Pilger nach der Ankunft in Paris für die Menschen im globalen Süden „schreien“. Am 28. November wollen sich internationale Pilgergruppen, die aus mehreren Himmelsrichtungen zur Klimakonferenz nach Paris gekommen sind, zu einer gemeinsamen Schlusskundgebung treffen. Sie fordern ein gerechtes und verbindliches Klima-Abkommen, mit dessen Hilfe die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzt wird.

 

Der Ökumenische Pilgerweg wird zentral von Hamburg und Aachen aus koordiniert, in enger Zusammenarbeit mit den französischen Kirchen. Die Planung vor Ort wird von deutschen und französischen Etappenkoordinatoren übernommen, die gegen eine kleine Spende Übernachtungsmöglichkeiten anbieten – privat oder im Gemeindehaus, sowie ein warmes Abendessen und Frühstück für die Nachtgäste. Ob die Helfer aber für fünf oder 50 Personen kochen sollen, wissen sie noch nicht.

 

Mitgehen kann jeder, der eine durchschnittliche Tagesstrecke von 20-25 Kilometer zu Fuß bewältigen kann. Dabei ist es möglich, die ganze Strecke, 1-2 Wochen oder nur einzelne Tage mitzupilgern.

 

Daniela Bergmaier

Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e. V.

 

 

Um die Planung zu erleichtern, sollten sich Teilnehmer unbedingt vorher anmelden: Auf der Website www.klimapilgern.de gibt es eine Karte zur geplanten Route, praktische FAQs und Checklisten, und ein Anmeldeformular für die Pilgeraktion. Mehrtagespilger sollten Schlafsack und Isomatte mitbringen.

Die französischen Pilger finden diese Informationen und den Link zum Anmeldeformular auf der Website www.klimapilgern.de/fr

 

Teilen |
Agenda

> 6. Juni
Die EU-Kommission wird zusammen mit dem EMCDDA den Europäischen Arzneimittelbericht 2017 veröffentlichen, mit einer umfassenden Analyse der jüngsten Entwicklungen der Arzneimittelsituation in Europa.
 
> 7. Juni
Die EU-Kommission soll das Diskussionspapier zur Zukunft der Europäischen Verteidigung bis 2025 veröffentlichen.
 
> 7. Juni
Die EU-Kommission soll die Mitteilung zur “Stärkung der Resilienz in Drittstaaten” veröffentlichen als Teil der Umsetzung der Globalen Strategie der EU  
 
> 15.-16. Juni
Eine hochrangige Veranstaltung über die EU-Arktis-Politik wird in Oulu, Finnland, stattfinden.

europeinfos

Monatliche Newsletter, 11 Ausgaben im Jahr
erscheint in Deutsch, Englisch und Französisch
COMECE, 19 square de Meeûs, B-1050 Brüssel
Tel: +32/2/235 05 10, Fax: +32/2/230 33 34
e-mail: europeinfos@comece.eu

Herausgeber: Fr Olivier Poquillon OP
Chefredakteure: Johanna Touzel und Martin Maier SJ
© design by www.vipierre.fr

Hinweis: Die in europeinfos veröffentlichten Artikel geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht unbedingt die Meinung der COMECE und des Jesuit European Office dar.
Darstellung:
http://www.europe-infos.eu/