Wednesday 3. June 2020
#135 - Februar 2011

 

Religionsfreiheit – Voraussetzung für den Frieden

 

Papst Benedikt XVI. hat seine diesjährige Botschaft zum Weltfriedenstag der Frage der Religionsfreiheit gewidmet. Seine Botschaft beginnt und endet mit einem Verweis auf die tragischen Ereignisse in Bagdad, wo am 31. Oktober 2010 zwei Priester und über fünfzig Gläubige, die zur Feier der heiligen Messe versammelt waren, getötet wurden. Die Religionsfreiheit in der Welt ist heute nicht ausreichend gewährleistet. Dies gilt insbesondere für die Menschen, die sich zu ihrem Glauben an Jesus Christus bekennen und die „gegenwärtig die Religionsgruppe sind, welche die meisten Verfolgungen aufgrund ihres Glaubens erleidet“.

Dies belegen auch die weiteren Attentate auf Christen an Weihnachten.

 

Der Papst spricht zudem über die Situation in der westlichen Welt, in der Religion eine zunehmende Ausgrenzung erleidet.

Neben den offenen Verfolgungen gebe es „raffiniertere Formen der Feindseligkeit gegenüber der Religion, die in den westlichen Ländern mitunter in der Verleugnung der Geschichte und der religiösen Symbole, die die Identität und die Kultur der Mehrheit der Bürger widerspiegeln, zum Ausdruck gebracht werden. Oft fachen sie Hass und Vorurteile an und stehen nicht im Einklang mit einer sachlichen und ausgewogenen Sicht des Pluralismus und der Laizität der Institutionen, ohne zu beachten, dass die jungen Generationen Gefahr laufen, mit dem wertvollen geistigen Erbe ihrer Länder nicht in Berührung zu kommen“.

 

Das Maß an Religionsfreiheit im Nahen Osten lässt sich nicht mit dem in Europa vergleichen. Die Christen im Irak können von einer Religionsfreiheit, wie sie in den EU-Staaten herrscht, nur träumen. Doch auch hier ist die Situation nicht ideal und die oben genannten Formen der Feindseligkeit belegen, dass die Lage zunehmend schwieriger wird, bzw. dass sich die Menschen der Einschränkungen, Restriktionen und Schwierigkeiten zunehmend bewusst werden. Nicht jede Einschränkung der Religionsfreiheit der Christen erfolgt vorsätzlich. Zuweilen, wie etwa im Falle des von der Europäischen Kommission herausgegebenen EU-Kalenders 2011, in dem Weihnachten nicht verzeichnet ist, scheint es sich um pure Gedankenlosigkeit oder aber um mangelnde Verwurzelung der hierfür verantwortlichen Personen in der europäischen Kultur zu handeln. Zuweilen ist eine solche Haltung aber auch ein Nebeneffekt einer unzureichend reflektierten Nichtdiskriminierungspolitik, im Rahmen derer beim Versuch, die einen zu schützen, die anderen diskriminiert werden.

 

Sind die Stimmen der Christen etwa das Ergebnis ihrer zu großen Sensibilität und Verletzlichkeit? Die Überempfindlichkeit der Christen scheint nach der Streichung des Bezugs auf die historische Rolle des Christentums aus der Präambel des EU-Verfassungsvertrags, nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte über die Kruzifixe in den italienischen Schulen oder nach dem Versuch der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, die Gewissensfreiheit einzuschränken (McCafferty-Bericht) nur allzu verständlich. Diese eindeutigen Fälle von Diskriminierung sollten für die Christen jedoch kein Grund zum Selbstmitleid sein. Die Schwierigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, sollten sie vielmehr als Gelegenheit wahrnehmen, Zeugnis für Christus abzulegen.

 

Papst Benedikt XVI. schließt seine Botschaft mit den Worten: „Ich drücke auch meine Hoffnung aus, dass im Westen, besonders in Europa, die Feindschaft und die Vorurteile gegen Christen aufhören, die darauf beruhen, dass sie ihr eigenes Leben in einer konsequenten Weise nach den Werten und den Grundsätzen ausrichten wollen, wie sie im Evangelium zum Ausdruck gebracht sind. Europa möge sich vielmehr mit seinen eigenen christlichen Wurzeln wiederversöhnen, die grundlegend sind, um die Rolle zu begreifen, die es gehabt hat, die es hat und die es in der Geschichte haben will. So wird es auf Gerechtigkeit, Eintracht und Frieden hoffen können, wenn es einen ernsthaften Dialog mit allen Völkern pflegt.“

 

Der Papst verweist aber auch auf positive Zeichen: die Resolution des Europarates, die das Recht der im medizinischen Bereich Tätigen auf Gewissensverweigerung in Bezug auf gewisse Handlungen schützt, die – wie beispielsweise die Abtreibung – das Recht auf Leben schwer verletzen; die Tatsache, dass sich einige europäische Länder dem Rekurs der italienischen Regierung gegen die bekannte Causa hinsichtlich der Anbringung des Kruzifixes an öffentlichen Orten angeschlossen haben oder der politische Weitblick, den manche Länder Europas in den letzten Tagen bewiesen haben, indem sie eine konzertierte Antwort der Europäischen Union zum Schutz der Christen im Nahen Osten gefordert haben.

 

Piotr Mazurkiewicz

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