Thursday 29. October 2020
#140 - Juli-August 2011

 

Gründung der Europäischen Sonntagsallianz

 

Mit dem offiziellen Gründungsakt der Europäischen Sonntagsallianz, der am 20. Juni 2011 beim Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Brüssel stattfand, ist der Sonntagsschutz erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

 

Neben Abgeordneten des EU-Parlaments kamen namhafte Experten aus den verschiedenen EU-Mitgliedstaaten zusammen, um zu diesem Anlass für den „einzigartigen Wert“, den der freie Sonntag für alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union darstellt, zu werben. Die Organisatoren dieser in montagelanger Arbeit vorbereiteten Veranstaltung hatten sich hohe Ziele gesetzt: In ganz Europa soll ein Zeichen für die Bedeutung der Sonntagsruhe sowie für das Recht auf angemessene Arbeitszeiten gesetzt werden. So wurde die Gründungserklärung der Europäischen Sonntagsallianz am Morgen von 65 verschiedenen Organisationen (nationale Sonntagsallianzen, Gewerkschaften, Organisationen der Zivilgesellschaft und religiöse Gemeinschaften) unterzeichnet.

 

Eine Allianz im Zeichen des europäischen Mottos „in Vielfalt geeint“

„Wir brauchen Zeit für gemeinsame gesellschaftliche Rituale, nicht nur Massenveranstaltungen wie Shopping“. Mit diesen Worten läutete der Präsident der Gruppe III des EWSA, Luca Jahier, die Veranstaltung ein, im Laufe derer zahlreiche Experten die Vorteile der Sonntagsruhe hervorhoben. „Die Stärke der Allianz liegt in ihrer Vielfalt“, erklärte Fabrice Warneck (Uni Europa) im Rahmen seiner Vorstellung der Europäischen Sonntagsallianz.

Im ersten Fachbeitrag der Veranstaltung stellte Professor Dr. Friedhelm Nachreiner die von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene „Deloitte“-Studie zum Thema Entwicklung der Arbeitszeitorganisation vor. Nachreiner konnte eindrücklich die nachteilige Wirkung von Sonntagsarbeit auf die Sicherheit, die Gesundheit sowie das Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben (work-life-balance) von Berufstätigen aufzeigen und belegte seine Äußerungen anhand wissenschaftlicher Analysen und europäischer Studien. Sein abschließender Appell lautete: „Ein Ersatzruhetag bzw. zusätzliche Freizeit während der Woche kann die negativen Effekte von Sonntagsarbeit nicht aufwiegen.“

Auch die Kirchen kamen zu Wort. Neben dem COMECE-Sekretariat, das die Veranstaltung mit organisiert hatte, sprach sich Pastor Patrick R. Schnabel von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) für die Sonntagsruhe aus, die er als „einen großen Mehrwert für alle Sektoren und alle Lebenssituationen“ bezeichnete.

Nach dem Mittagessen wurde die Vortragsreihe von Dr. Jill Ebrey von der Universität Chester fortgesetzt. Sie sprach über die Bedeutung des Wochenendes im historischen Kontext des Vereinigten Königreichs und betonte am Ende ihres Vortrags: „Das Wochenende ist und bleibt die Zeit, in der jeder die Freiheit genießt, zu tun und zu lassen, was er möchte.“

Im Rahmen eines Runden Tisches erhielten die nationalen Sonntagsallianzen, die Gewerkschaften und die Organisationen der Zivilgesellschaft (Familien- und Sportverbände) Gelegenheit, sich zu äußern. Maciej Ptaszynki, Vertreter der polnischen Handelskammer und Unterzeichner der Gründungserklärung erklärte, engagiertes Personal sonntags einzustellen, bedeute aus wirtschaftlicher Sicht zusätzliche Kosten durch höhere Löhne bzw. Zuschläge.

 

Würdigung der Freiwilligentätigkeit

„Die Freiwilligentätigkeit ist das beste Beispiel für aktive Staatsbürgerschaft“, merkte Pavel Trantina, Präsident der ständigen Studiengruppe des EWSA zum Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011 an. Freiwilligenarbeit werde von weiten Teilen der Bevölkerung geleistet und betreffe alle Bereiche, vom Sport bis zur Gesundheit. Trantina hob die Bedeutung der Freiwilligenarbeit und ihren wirtschaftlichen und sozialen Wert hervor und wies auf den engen Bezug zwischen Freiwilligentätigkeit und Freizeit hin. Stephan Dietzen, Referent im EOC EU-Büro, bestätigte: „Die Freiwilligentätigkeit ist das Fundament des Sports!“

Zum Abschluss der Veranstaltung erhielt jeder die Möglichkeit, sich zu den Zukunftsperspektiven der Europäischen Sonntagsallianz zu äußern. In diesem Rahmen wurde dazu aufgerufen, aktiv zu werden, insofern die Europäische Sonntagsallianz im Rahmen der Überarbeitung der Richtlinie 2003/88/EG durch die Europäische Kommission durchaus politische Einflussmöglichkeiten habe. Der Präsident der Gruppe II des EWSA, Georgios Dassis, erklärte: „Es ist die Aufgabe der Kommission, einen Vorschlag zugunsten der Sonntagsruhe einzubringen!“

Nach dem In-Kraft-Treten des Vertrags von Lissabon und der Einrichtung des Rechts zur Bürgerinitiative will die Allianz andere Organisationen mobilisieren, um ihrem Anliegen, den Sonntag als Ruhetag in der Europäischen Union zu bewahren, bei den europäischen Institutionen Nachdruck zu verleihen. So erklärte Fabrice Warneck abschließend: „Aufgrund ihrer Vielfalt hat die Allianz die Möglichkeit, politisch Einfluss zu nehmen!“

 

Noémie Mandin

Originalfassung des Artikels: Französisch

 

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