Mittwoch 21. November 2018
#140 - Juli-August 2011

 

Roma-Integration: Notwendigkeit, Herausforderung und Pflicht

 

Roma-Integration war das Thema des Dialog-Seminars, das Montag, den 27. Juni, bei der Europäischen Kommission stattfand.

 

Über 12 Mio. Roma leben heute in ganz Europa. Um ihre Integration zu fördern, hat die EU gerade ein Rahmenprogramm für nationale Integrationsstrategien für Roma verabschiedet, das bis 2020 reicht. Die Kirchen begrüßten die Annahme dieses Rahmenprogramms, da es auch die Grenzen der EU überschreite und Länder zukünftiger EU-Mitgliedschaft miteinbeziehe, um sich für die wirtschaftliche und soziale Integration ihrer Roma-Bevölkerung einzusetzen. Dennoch sollte das Rahmenprogramm starker zwischen kurz- und langfristigen Perspektiven unterscheiden: Zugang zu Beschäftigung, Gesundheitsdiensten, Bildung und Wohnung sollten so schnell wie möglich realisiert werden. Tiefere gesellschaftliche Veränderungen werden hingegen mehr Zeit brauchen. Die Kirchenvertreter setzten sich für ambitioniertere Ziele beim Zugang zu  Rechtsinstitutionen und persönlichen Ausweisdokumenten ein. Im Blick auf Bildung sollte sichergestellt werden, dass alle Roma-Kinder einen Bildungsabschluss erzielen, der ihnen eine Berufsausbildung ermöglicht. Konfessionsschulen können dies nachhaltig unterstützen.

 

Arbeitslosigkeit und mangelhafte Bildung sind zwei der großen Herausforderungen für Roma in Europa”, strich Mgr. Janos Szekely heraus. Der Weihbischof von Esztergom-Budapest berichtete von vielen erfolgreichen Initiativen zur Integration und Bildung von Seiten der Kirchen in Ungarn. Er erinnerte aber auch daran, dass neben der Schaffung von Arbeitsplätzen und Bildungsmöglichkeiten die Gewissensbildung entscheidend sei: “Der Mensch ist der Motor der Entwicklung, nicht Geld und nicht Technik.” Die Integration der Roma sei keine Einbahnstrasse: die Öffentlichkeit und die Kirchen könnten den Roma helfen, ihrer Verantwortung und Verpflichtung gegenüber ihrer Gesellschaft gewahr zu werden.

 

Der Erzbischof der Ev. Lutherischen Kirche von Schweden, Dr. Anders Wejryd, berichtete von dem Prozess der Versöhnung und Integration, den Roma und die Kirchen in Schweden miteinander verwirklicht haben. “Kirchen müssen sich ihrer Rolle stellen, die sie beim Ausschluss der Roma aus der Gesellschaft gespielt haben. In der Kirche setzen sich Gemeindemitglieder für die Rechte von Minderheiten ein. Dadurch kann die Kirche eine wichtige Rolle in der öffentlichen Debatte vor Ort spielen.”

 

In der Diskussion um den Beitrag der Kirchen für die EU Strategie zur Integration der Roma betonten die Kirchenvertreter, dass die europäischen Mehrheitsgesellschaften ihre diskriminierende Haltung gegenüber den Roma verändern müssen. Die Mitgliedsstaaten sollten Diskriminierung und Rassismus aktiv bekämpfen. Gleichzeitig sollte der Unterricht über die sehr vielfältige und unterschiedliche Kultur, Geschichte und Identität der Roma in den Schulen Berücksichtigung finden.

 

Vertreter der EU gestanden ein, dass die Europäische Kommission in der Vergangenheit nicht immer in der Lage war, die Verwendung von EU-Fördergeldern zur Integration von Roma vor Ort zu bewerten. Die neue Roma-Strategie bringe aber eine gezielter Verwendung und Regelung der EU-Mittel. Kommissar László Andor, zuständig für Beschäftigung, Sozialpolitik und Integration, erinnerte daran, dass die Integration der Roma in der Kompetenz der Mitgliedstaaten liege. Das neue Rahmenprogramm werde EU-Mittel aber leichter verfügbar machen und vor allem die regionale und lokale Ebene in den Blick nehmen. “Kirchen sind Schlüsselakteure im Bereich der Integration von Roma: wir müssen zusammenarbeiten und wir zählen auf Ihren Beitrag”, schloss er.

 

Nachdem das Rahmenprogramm zur Integration der Roma beim Europäischen Gipfel am 25. Juni verabschiedet wurde, müssen die Mitgliedstaaten nun ihre nationalen Pläne zur Integration ausarbeiten. Daher ist es nun von großer Bedeutung, dass Regierungen, NGOs und Kirchen auf nationaler Ebene zusammen arbeiten, um diese Pläne auszuarbeiten und zu implementieren damit die Ziele der Roma-Strategie erreicht werden.

 

Johanna Touzel

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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