Monday 6. April 2020
#143 - November 2011

 

Eine langfristig orientierte Europäische politische Vision zur Überwindung der Krise ist notwendig

 

Dies ist die Botschaft der Herbstvollversammlung der COMECE, die vom 26. bis zum 28. Oktober 2011 in Brüssel stattfand.

 

Inmitten der Finanzkrise der Eurozone appellieren die Bischöfe der COMECE an die Europäische Union und ihre Bürger, von gegenseitigen Schuldzuweisungen Abstand zu nehmen, und stattdessen gemeinsame Verantwortung bei der Lösungsfindung zu übernehmen. Sie fordern die Europäischen Spitzenpolitiker auf, eine Langzeitperspektive zur Überwindung der Krise anzunehmen. Dies sind die Hauptbotschaften der Herbstvollversammlung der COMECE, die vom 26. bis zum 28. Oktober 2011 in Brüssel stattfand und dem Thema „Die Finanzkrise und die Zukunft der Europäischen Integration“ gewidmet war.

 

Die Bischöfe hörten verschiedene Experten zu dieser komplexen Materie. Herr Peter Wagner von der Europäischen Kommission erläuterte den Auftrag der kürzlich eingerichteten Task Force für Griechenland. Prof. Dr. Lans Bovenberg (Universität Tilburg), Dr. Emmanuel an der Mensbrugghe (Direktor der IMF Büros in Europa) und Herr Jean-Pierre Jouyet (Präsident der Französischen Finanzmarktaufsichtsbehörde) legten ihre Ansichten über die wirtschaftlichen und politischen Gründe für die Schuldenkrise in Europa dar.

 

Die Gründe für die Krise sind struktureller Natur und haben ihre Ursache im Wesentlichen in kurzfristigen und oft an Wahlen orientierten politischen Entscheidungen in den letzten Jahrzehnten. Diese Entscheidungen spiegeln oftmals das individuelle Verhalten, das auf kreditfinanzierten Konsum ausgerichtet ist, wieder. In der aktuellen Lage wird die Kultur des Schuldzuweisens nirgendwohin führen. Die Europäer sollten vereint bleiben und Solidarität ausüben, um die gegenwärtige Krise zu überwinden. Krise bedeutet nicht notwendig Verschlechterung, sondern kann auch eine Chance für Erneuerung bieten.

 

Der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, erläuterte den Bischöfen der COMECE das Ergebnis des Europäischen Gipfels, welcher am 26. Oktober begonnen hatte. Die Bischöfe begrüßten dieses Ergebnis als eine angemessene Antwort auf die unmittelbare Krise. In dem Bewusstsein, dass technische und kurzfristige Lösungen unzureichend sein werden, unterstrichen die Bischöfe jedoch die Notwendigkeit einer langfristigen Vision für die Europäischen Institutionen und für das Sozial- und Wirtschaftsmodell, welches diese fördern. Besonders die Interessen der jüngeren Generationen, die Gefahr laufen, die Hauptopfer der Krise zu werden, müssen besser berücksichtigt werden.

 

Die Bischöfe sind überzeugt, dass die Kirche eine Kraft für Kohäsion und Hoffnung in der Europäischen Gesellschaft, die von Populismus und Teilung bedroht sind, sein kann. Die Hauptursachen der aktuellen Krise sind moralischer und spiritueller Art. Moralischer Relativismus verändert das Wesen von persönlicher und kollektiver Verantwortlichkeit und das Wesen des Gemeinwohls auf lange Sicht. Durch ihre sozialen Dienste können die Kirchen den Schwächsten in unserer Gesellschaft helfen; sie werben für die Menschenwürde und das Allgemeinwohl gegen die individualistischen Tendenzen.

 

Die Bischöfe der COMECE nahmen darüber hinaus eine Erklärung über das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft, welches durch den Vertrag von Lissabon in den Vertrag über die Europäische Union aufgenommen wurde, an. Der Text „Eine Europäische Solidaritäts- und Verantwortungsgemeinschaft“, wird Anfang Januar 2012 in verschiedenen Sprachen veröffentlicht.

 

Johanna Touzel

Originalfassung des Artikels: Englisch

 

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