Sunday 31. May 2020
#150 - Juni 2012

 

Christen in der arabischen Welt: ein Jahr nach dem Arabischen Frühling

 

Am 9. Mai veranstalteten die EVP und ECR Fraktionen des EU Parlaments zusammen mit der COMECE ein halbtägiges Seminar zum Thema Christen im Nahen Osten und Nordafrika. Die Ereignisse, die in der Region stattgefunden haben, sind von entscheidender Bedeutung, doch wird der Weg hin zur Schaffung echter Demokratie immer unklarer.

 

Anlässlich der Verleihung des Sacharow-Preises an fünf Aktivisten des Arabischen Frühlings am 14. Dezember 2011 sagte der damalige Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, mit diesem Akt anerkenne das Europäische Parlament die Anstrengungen all jener, die sich für Menschenwürde, Grundfreiheiten (darunter auch Religions- und Gewissensfreiheit) und politischen Wandel in der arabischen Welt einsetzen. Diesen Gedanken vor Augen möchten wir in diesem Artikel analysieren, wie sich der sogenannte „Arabische Frühling“ auf die im Nahen Osten und in Nordafrika lebenden Christen auswirkt.

 

Ungeachtet der seit der Zeit der Kreuzzüge (11. bis 13. Jahrhundert) bestehenden Schwierigkeiten und Herausforderungen leben die Östlichen Kirchen seit vierzehn Jahrhunderten Seite an Seite mit dem Islam. Besagte Schwierigkeiten und Herausforderungen sind oftmals auf die politischen Probleme der Region, aber auch auf den Ost-West-Konflikt zurückzuführen.

 

Der sogenannte „Arabische Frühling“, der Anfang 2011 in den Staaten des Maghreb und des Maschrek stattfand, gilt als einer der wichtigsten historischen Wendepunkte bzw. Paradigmenwechsel des 21. Jahrhunderts. Die Ereignisse in der Region sind äußerst bemerkenswert und bezeichnend zugleich.

 

Junge Menschen waren es, die im Rahmen dieser „Arabischen Revolutionen“ lautstark ihrem Streben nach Freiheit, Gleichheit, Recht auf Arbeit, Bürgerrechten und Menschenwürde Ausdruck verliehen. Ihr größter Wunsch ist und bleibt es, in Würde, Frieden und Wohlstand in ihren Heimatländern zu leben.

 

Doch sorgten im Verlauf dieser Revolutionen immer wieder vereinzelte Personen oder kleine Gruppen unterschiedlichster politischer und religiöser Ausrichtung für grausame Zwischenfälle, mit der Folge, dass der Weg hin zur Schaffung echter Demokratie noch immer unsicher ist.

 

Grundlegendes Ziel sollte sein: die Achtung alle Bürgerinnen und Bürger, die Abschaffung von Parallelgesellschaften, die Achtung der jeweiligen religiösen und ethnischen Minderheiten sowie die Schaffung eines sozio-ökonomischen Systems, in dem Menschenrechte und demokratische Werte Bestand haben und der Dialog zwischen den Minderheiten gefördert wird.

 

Grundlage für eine neue Rechtsordnung sollten die universellen Werte sein, die sich für die Achtung der menschlichen Person und ihrer legitimen Rechte einsetzen. Innerhalb des gesellschaftlich-religiösen Kontextes sollte man ferner die für das Zusammenleben einer Gesellschaft, in der weltliche Werte von religiösen Werten beeinflusst werden und letztendlich alle Menschen Teil der gleichen Menschheit sind, so wichtige religiöse Dimension berücksichtigen.

 

An dieser Stelle möchte ich mit den Worten von Kardinal Jean-Louis Tauran sprechen, der anlässlich eines Treffens zum Thema Beziehungen zwischen Christen und Muslimen sagte, Christen und Muslime seien mit drei immer wiederkehrenden Herausforderungen konfrontiert: dem Problem der Identität, dem Thema der Anerkennung der jeweiligen Unterschiede und dem Problem der Aufrichtigkeit, d. h. des Respekts und der Würde, mit denen der Glauben anderen dargeboten wird.

 

Wie die EU-Kommissarin für Innenpolitik, Cecilia Malmström, zu Recht betont, hat „der Arabische Frühling auch zu Spannungen innerhalb der EU geführt“. Diese Spannungen, so Malmström, seien auf das Verhalten der EU-Mitgliedstaaten zurückzuführen, deren Denken eher nach innen gerichtet und sicherheitsorientiert, als nach außen gerichtet und Schutz gewährend sei. Wortwörtlich sagt sie: „Es ist, als hätten wir zu ihnen gesagt: Es ist wunderbar, dass ihr eine Revolution macht und Demokratie einführen möchtet, doch bleibt um Himmels Willen, wo ihr seid, denn hier in Europa haben wir mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen“. Zum „Arabischen Frühling“ sagte sie: „Es mag sein, dass die Revolution begonnen hat, aber der Prozess des Arabischen Frühlings steht noch ganz am Anfang“. Sie erinnert die EU an ihre „besondere Verantwortung“, den einzelnen arabischen Staaten zu helfen, Systeme aufzubauen, in denen die Menschenrechte geachtet und demokratische Werte gefördert werden. Diese Werte, so die EU-Kommissarin, seien schließlich „die Grundprinzipien, auf denen die EU gegründet wurde“.

 

Fr Joe Vella Gauci

COMECE

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

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