Wednesday 28. October 2020
#161 - Juni 2013

 

Soziale Investitionen in junge Europäer

 

Das 4. Europäisches Demografieforum beschäftigt sich mit Jugendgarantien.


Bereits zum vierten Mal beschäftigte sich das Demografieforum der Europäischen Kommission mit den Herausforderungen des demografischen Wandels in Europa.

In diesem Jahr lag der Schwerpunkt der Veranstaltung, die vom 6.-7. Mai in Brüssel stattfand, auf dem am 20. Februar 2013 vorgestellten Sozialinvestitionspaket der Europäischen Kommission und seinem Beitrag zur demografischen Zukunft Europas. Weitere inhaltliche Schwerpunkte lagen auf den Themen Jugendgarantie, Verbesserung der work-life balance, aktivem Altern und der besseren Inklusion von Migranten der zweiten Generation.

 

Im Anschluss an das Europäische Jahr für Aktives Altern und Intergenerationelle Solidarität 2012 standen in diesem Jahr nicht nur Fragen im Zusammenhang mit alternden Bevölkerungsteilen im Fokus des Austausches, sondern auch die besondere Situation junger Menschen. Zwar verwies Kommissar László Andor in seiner Eröffnungsrede auch auf Europas alternde Bevölkerung als größte demografische Herausforderung, angesichts der Krise stellte er jedoch besonders  die Situation der jungen Generation und ihre langfristigen Folgen für die demografische und soziale Situation in der EU heraus.

 

Als Beispiel für soziale Investitionen stand daher vor allem die Jugendgarantie im Fokus des Demografieforums. Im März dieses Jahres hatte die Europäische Kommission einen entsprechenden Vorschlag zur Einführung von Jugendgarantien in den Mitgliedstaaten gemacht. Er sieht vor, dass jungen Menschen bis 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Verlassen der Schule oder Beendigung einer Ausbildung eine Arbeits- oder Ausbildungsmöglichkeit angeboten werden soll. Dafür sollen in der neuen EU-Programmgeneration von 2014 bis 2020 6 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Zuständig für die Umsetzung werden die Mitgliedstaaten sein, die sich bereits in der Ratssitzung im Februar für einen solchen Vorschlag ausgesprochen hatten.

 

Im Rahmen des Demografieforums wurden verschiedene Erfolgsfaktoren für dass Gelingen solcher Jugendgarantie-Konzepte herausgearbeitet: Die Reform der Arbeitsvermittlungen im Hinblick auf eine individuelle Beratung und Unterstützung betroffener Jugendlicher (case by case), die Einführung eines dualen Ausbildungssystems in den Mitgliedstaaten, die Einführung besonderer Förderprogramme für junge Menschen im Rahmen finanzpolitischer Konsolidierung und Reorganisation in verschiedenen Mitgliedstaaten sowie die Beschäftigung mit der prekären Situation von jungen Menschen am Arbeitsmarkt über das Problem der Jugendarbeitslosigkeit hinaus.

 

Einigkeit herrschte bei vielen Teilnehmenden und Experten vor allem über den sozialen Nutzen von Jugendgarantien. Die zunächst hohen Kosten würden insbesondere durch frühzeitiges Eingreifen und der Prävention weiterer sozialer Folgen relativiert. Kritisch betrachtet wurden die geringe finanzielle Ausstattung der geplanten Jugendgarantie sowie die bisher vorgeschlagene Altersgrenze von nur 25 Jahren.

 

Den traurigen Folgen der Krise und einem steigenden  Anteil an Jugendarbeitslosigkeit ist es geschuldet, dass die Investition in Jugendliche und junge Erwachsene im Rahmen des diesjährigen Demografieforums einen besonderen inhaltlichen Schwerpunkt ausmachte und im breiteren Kontext der demografischen Zukunft Europas und unter dem Aspekt der intergenerationellen Solidarität diskutiert werden konnte. Unstrittig ist, dass von der jungen Generation wird die zukünftige Wohlstandssicherung in Europa abhängen wird – angesichts der demografischen Situation keine leichte Aufgabe.

 

Die Herausforderung langfristiger Politiken wird nun darin bestehen müssen, junge Menschen im Zuge der Krise nicht nur als Humankapital zu begreifen, sondern ihnen dennoch Chancen und Freiräume für ihre individuelle Entwicklung und Lebensgestaltung über die gegenwärtige Krise hinaus anzubieten.

 

Christina Gerlach

European Office for Catholic Youth and Adult Education

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