Friday 10. July 2020
#163- September 2013

 

„Christen für den Aufbau Europas“

 

Eine klare Ansage für das 27. Treffen des Colloquiums Europäischer Pfarrgemeinden, das vom 7. bis 12. Juli 2013 in Mellieha (Malta) stattgefunden hat.


In diesem Jahr trafen sich in Malta 125 Teilnehmer, Priester und Mitglieder von Pfarrgemeinden aus 13 Ländern Europas, um sich über das Thema „Christen für den Aufbau Europas. Der Mut des Glaubens in der heutigen Gesellschaft“ auszutauschen. Am Ende der Veranstaltung bekräftigten die Teilnehmer ihre Absicht, das „europäische Projekt“, das nach den großen Tragödien des 20. Jahrhunderts, den beiden Weltkriegen, dem tiefen Wunsch nach Versöhnung entsprungen ist“, weiter voranzutreiben.

 

Sie haben noch nie vom Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden (CEP) gehört? Eine neue Organisation? Mitnichten! Es gibt sie seit über 50 Jahren und die Pfarrgemeinden sind damit ihren Bischöfen, die ihre erste europäische Organisation erst Jahre später gründeten, zuvorgekommen. Alles begann 1961, nur vier Jahre nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge, mit denen die Europäischen Gemeinschaften ins Leben gerufen wurden, und ein Jahr vor Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auf Ebene der Pfarrgemeinden hatten Visionäre die Idee, auf europäischer Ebene Treffen zu organisieren, um sich im Bereich der Pastoralarbeit auszutauschen, sich gegenseitig zu ermutigen und zu stärken.

 

Einige Pfarrer großer Pfarrgemeinden stellten sich damals die Frage, wie sich die Pfarreien in den verschiedenen europäischen Ländern besser gegenseitig unterstützen könnten. Sie wandten sich mit ihrem Anliegen in einem Schreiben an zahlreiche Bischöfe. Nur ein einziger gab Antwort: Kardinal Franz König aus Wien unterstützte die Initiative des Pariser Pfarrers Francis Conan, ein Treffen von Pfarreien zu veranstalten, mit dem Ziel „Erfahrungen und Ideen auszutauschen, um gemeinsam am Aufbau einer Gemeinschaft von europäischen Völkern mitzuwirken“. Zu Beginn waren es nur Pfarrer – 60 an der Zahl, aus sieben Ländern, die sich 1961 erstmalig trafen –, weitere Pfarrer kamen hinzu und seit 1973 schlossen sich dem Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden in zunehmender Zahl auch Laien an.

 

Die Liste der Städte, die im Laufe dieser 50 Jahre Treffpunkt der Colloquien waren, ist beeindruckend: Lausanne, Wien, Köln, Barcelona, Torino, Strasbourg, Heerlen, Lisboa, Namur, Marseille, Assisi, Ludwigshafen, Tarragona, Seggau, Fatima, Leuwen, Besançon, Prague, Udine, London, Girona, Fribourg, Erfurt, Porto, Mons, Nyiregyhaza.

 

Auch 2013 fand ein Treffen statt. Das Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden (CEP) bleibt auch weiterhin Ort der Begegnung für Christen aus europäischen christlichen Pfarreien und Gemeinschaften. Alle zwei Jahre treffen sich diese Christen in einem anderen europäischen Land zu diesem Colloquium. Dabei tauschen sie aus der Sicht ihres pastoralen Engagements Erfahrungen zu kirchlichen und gesellschaftlichen Fragen aus. Ihr Ziel ist es, aus der Kraft ihrer christlichen Wurzeln am Zusammenwachsen Europas mitzuwirken. Das Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden ist als Nichtregierungsorganisation Mitglied des Europarates.

 

In den Schlussfolgerungen des Treffens von diesem Sommer in Malta erklärte Prof. Alphonse Borras, ständiger Experte bei den CEP-Sitzungen: „Im Laufe dieses Colloquiums sind wir uns zweifellos stärker der zahllosen Arten und Weisen bewusst geworden, die zum „Zusammenleben“ in unseren jeweiligen Ländern und unserem sozio-kulturellen Umfeld, aber auch auf europäischer Ebene beitragen. Von Beginn unseres Treffens an haben wir uns mit der Frage der Bürgerschaft befasst, unserer „Bürgerschaft als Katholiken im Europa von heute“. Eine Fragestellung, die angesichts der Tatsache, dass die Europäische Union das Jahr 2013 zum Jahr der Bürgerschaft ausgerufen hat, nicht aktueller sein könnte.

 

Borras lud die Teilnehmer ein zu „prüfen, wie wir unser Engagement für eine brüderlichere und bewohnbarere Welt verstärken können. Dafür muss die Pastorale von heute in der Vielfalt der jeweiligen Ansätze unserer Pfarrgemeinden Prioritäten setzen.“ Die Teilnehmer kamen zum Schluss, dass das europäische Projekt die Achtung jeder Person erforderlich macht, über die unablässig drohenden Nöte hinaus: Heute beispielsweise ist es die Furcht der Migranten, oder die allgemeine Befürchtung, die Lebensverhältnisse einschränken zu müssen und in Armut zu leben.

 

In dieser Zeit der wirtschaftlichen Krise, die Europa erlebt, erweisen sich die Pfarrgemeinden als Ort der Präsenz, der Solidarität und des Zuhörens, im Zentrum des europäischen Kontinents genauso wie in seinen entlegensten Winkeln. Dies ist ein menschlicher Reichtum, auf den die europäischen Einrichtungen bauen können, eine lebendige Ressource, die auch die Bischöfe neu für sich entdecken und die sie ermutigen sollten.

 

Johanna Touzel

COMECE

 

Bitte vormerken:

Das nächste Colloquium Europäischer Pfarrgemeinden findet vom 5. bis 9. Juli 2015 in Lisieux (Frankreich) statt.

 

 

Originalfassung des Artikels: Französisch

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