Tuesday 7. April 2020
#166 - Dezember 2013

 

Monsignore Aldo Giordano verabschiedet sich

 

Vom über 3000 km entfernt gelegenen Caracas aus hat der neue Apostolische Nuntius in Venezuela die Möglichkeit, Europa in einem ganz neuen Licht zu betrachten.


Monsignore Aldo Giordano hat nach eigener Aussage in den vergangenen neunzehn Jahren an etwa vierzig Vollversammlungen der COMECE teilgenommen. Als frisch gebackener Generalsekretär des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) trat er 1995 seine erste Reise von St. Gallen gen Norden (aus einem Nicht-EU-Land) an. Nach seiner Ernennung zum Ständigen Beobachter der Heiligen Stuhls in Straßburg im Jahre 2008 führten ihn seine Reisen in den Norden in zahlreiche europäische Metropolen. Sein Abschied anlässlich seiner letzten COMECE-Vollversammlung am 13. November war verständlicherweise sehr bewegend.

 

Aldo Giordano wurde im Oktober 2013 zum Apostolischen Nuntius in Caracas ernannt und soll am 14. Dezember in seinem Heimatort Cuneo durch eben den Mann zum Bischof geweiht werden, dessen Amt er in der venezolanischen Hauptstadt übernehmen wird, Erzbischof Pietro Parolin, den neuen Staatssekretär seiner Heiligkeit (zufällig auch der neue Vorgesetzte des neuen Erzbischofs Giordano).

 

Nach fast 25-jährigem Wirken im Herzen Europas in unmittelbarer Nähe des (kirchlichen wie auch weltlichen) Geschehens freut sich der neue Nuntius in Venezuela darauf, Europa vom fernen Südamerika aus betrachten zu dürfen. Er ist gespannt darauf, wie andere uns sehen und was sie von uns erwarten.

 

Vom über 3000 km entfernt gelegenen Caracas aus hat der neue Apostolische Nuntius in Venezuela die Möglichkeit, Europa in einem ganz neuen Licht zu betrachten. Gleichwohl hat er bereits eine Reihe interessanter Ansichten über das europäische Projekt, über die Gründerväter und ihre Visionen und darüber, wo Europa zu einem Zeitpunkt, an dem der Stab an die dritte Generation weitergereicht wird, steht.

 

Monsignore Giordano macht keinen Hehl daraus, dass er Europa aus dem Blickwinkel der katholischen Soziallehre betrachtet. Er ist davon überzeugt, dass das Europa von heute einfach nicht gut genug ist, dass ein anderes Europa möglich ist, eines, das grundlegend vom christlichen Glauben geprägt ist.

 

Als habe er geahnt, dass seine Amtszeit in Straßburg zu Ende gehen würde, hat Giordano unlängst ein Buch über Europa veröffentlicht (Un’altra Europa e possible: ideali cristiani e prospettive per il Vecchio Continente, San Paolo Press, 2013). Darin stützt er sich auf die langjährige Erfahrung, die er in seiner Zeit als Generalsekretär der CCEE zum Thema Europa gesammelt hat (wie Papst Johannes Paul II. hat Giordano ein besonderes Gespür für die Probleme des lange Zeit zweigeteilten Kontinents), einer Zeit, in der er als Mitglied der bischöflichen Gemeinschaft, die den Geist und die Aktivitäten der CCEE kennzeichnet, Europa als Familie erleben durfte. Auch seine Jahre in Straßburg hinterließen ihre Spuren. Im Hinblick auf mehrere komplexe Fälle, die vor der Großen Kammer des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte verhandelt wurden, denkt der Philosoph Giordano über die großen Themen Lebens/Tod und Menschenwürde nach, welche in den vergangenen Jahren drängende Fragen und heftige Debatten in Europa heraufbeschworen haben.

 

Interessant für alle EuropeInfos-Leser: Monsignore Giordano ist zutiefst davon überzeugt, dass die COMECE entscheidend dazu beigetragen hat, die Position der Kirche im Rahmen der Gestaltung des zukünftigen Europas zu festigen. Auf der Grundlage von Artikel 17, so Giordano, habe die Kirche heute die Möglichkeit, aktiv an der europäischen Debatte teilzunehmen. In Zukunft werde die EU-Führung stärker geneigt sein, auf das zu hören, was die Kirche zu wichtigen politischen Themen Europas zu sagen habe. Ohne den Beitrag der anderen Dialogpartner schmälern zu wollen, betont Giordano, dass die katholische Kirche ihre Stärke im europäischen Forum aus ihrem beispiellosen weltweiten Netzwerk und aus ihren einzigartigen pastoralen Erfahrungen mit großen und kleinen Gemeinschaften in ganz Europa schöpft. Der entscheidende Trumpf der Kirche bestehe in ihrem einzigartigen Zugang zu den Köpfen und Herzen von über 200 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürgern.

 

Monsignore Giordano ist davon überzeugt, dass es das christliche Erbe – im philosophischen, religiösen, kulturellen und künstlerischen Sinne – ist, das Europa in seiner ganzen komplexen Identität eint. Für das Europa von morgen, so Giordano, stelle die christliche Dimension eine unverzichtbare Voraussetzung dar.

 

Patrick H. Daly

COMECE

 

Originalfassung des Artikels: Englisch

 

Teilen |
europeinfos

Published in English, French, German
COMECE, 19 square de Meeûs, B-1050 Brussels
Tel: +32/2/235 05 10
e-mail: europeinfos@comece.eu

Editors-in-Chief: Martin Maier SJ

Note: The views expressed in europeinfos are those of the authors and do not necessarily represent the position of the Jesuit European Office and COMECE.
Display:
http://europe-infos.eu/