Sonntag 24. März 2019

Zur Reform des internationalen Finanzsystems

Die EU ergreift Maßnahmen, die dafür sorgen, dass das Finanzsystem ordnungsgemäß funktioniert und unerwünschte sowie ethisch fragwürdige Effekte vermieden werden. Doch auch jeder Einzelne kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass unsere Organisationen zum Wohle aller und im Sinne der Erhaltung unserer Erde arbeiten.

Mit zahlreichen Maßnahmen bemüht sich die EU, unerwünschte Auswirkungen, zu denen es im Zuge von unethischem Verhalten im Finanzsystem kommen kann, zu verhindern, abzumildern und zu beheben.

 

Verbindliche EU-Vorschriften seit der Finanzkrise

 

Nach der Finanzkrise erkannte die EU, dass eine schlechte Vergütungspolitik zu einer übermäßigen Risikobereitschaft des im Finanzsektor tätigen Schlüsselpersonals und zu einer extremen Konzentration auf kurzfristige Gewinne führen kann. Zum Schutz der Finanzstabilität gibt es neben anderen wichtigen Initiativen die Eigenkapitalrichtlinie und die Eigenkapitalverordnung, welche die Vergütungspolitik und -praktiken für diejenigen Mitarbeiter regeln, deren berufliche Tätigkeiten sich wesentlich auf das Risikoprofil ihrer Finanzinstitute auswirken können.

 

Nach den EU-Vorschriften sind auch Vermögensverwalter verpflichtet, eine solide Vergütungspolitik für ihre Mitarbeiter in Schlüsselpositionen festzulegen und aufrechtzuerhalten. Die Regeln zielen darauf ab, übermäßige Risikobereitschaft zu begrenzen und die Anreize für die Mitarbeiter an die langfristigen Ziele der Unternehmen anzupassen. Anlegerschutz und Finanzberatung werden auf europäischer Ebene in einer Richtlinie mit dem Titel Märkte für Finanzinstrumente geregelt. Diese schützt Kleinanleger, die weniger Informationen über die Finanzprodukte haben als die, die ihnen die Produkte verkaufen oder sie beraten.

 

Im Rahmen ihres Aktionsplans zur Schaffung einer Kapitalmarktunion hat die Kommission gesetzgeberische Maßnahmen zur Förderung eines sicheren und liquiden Marktes für Verbriefungen ergriffen. Diese umfassen die Sorgfaltspflicht, die Risikoabsicherung und Transparenzregeln.

 

Nach dem LIBOR-Skandal räumte die Kommission ein, dass die Manipulation von Indizes gleichbedeutend ist mit Diebstahl an Investoren und Verbrauchern. Aus diesem Grund schlug sie eine Verordnung über Indizes vor, die dazu beitragen soll, das Vertrauen in die Finanzmärkte in der Europäischen Union wiederherzustellen.

 

Kontinuierliche internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Steuervermeidung

 

Die EU beschränkt sich aber nicht nur auf die Verabschiedung verbindlicher Regeln, sondern ergreift auch Maßnahmen in Bereichen der internationalen Zusammenarbeit, in denen sie eine wichtige Rolle bei der Einleitung von Veränderungen spielen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Bekämpfung der Steuervermeidung. Die EU nimmt ihre internationalen Verpflichtungen zum verantwortungsvollen Handeln im Steuerbereich ernst und erwartet dies im Gegenzug auch von ihren internationalen Partnern. Mit ihrer Initiative Faire Besteuerung beabsichtigt sie, mit internationalen Partnern faire und offene Gespräche über Steuerfragen, die die Weltgemeinschaft betreffen, zu führen. Neben diesem Dialog arbeitet sie derzeit an der Erstellung einer EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete, ein Instrument, das es ihr ermöglichen soll, mit Drittländern umzugehen, die sich weigern, die internationalen Standards einzuhalten.

 

EU-Maßnahmen, die fundierte individuelle Entscheidungen ermöglichen

 

Es liegt auch in unserer individuellen Verantwortung sicherzustellen, dass die Entscheidungen, die wir treffen, dem Wohle aller zuträglich sind. Es gibt wichtige Politikbereiche wie die nachhaltige Finanzierung, in denen die Kommission bestrebt ist, fundierte und verantwortungsbewusste individuelle Entscheidungen zu unterstützen.

In ihrem Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums schlägt die Kommission Maßnahmen zur Erleichterung der Finanzierung umweltpolitischer und sozialer Ziele vor.

 

Diese sollen dazu beitragen, den Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem zu fördern. Mit dem Vorschlag über die Eignung sollen Verkäufer von Finanzprodukten verpflichtet werden, die Kunden nach ihren Anlagepräferenzen in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte zu befragen und ihnen geeignete Produkte anzubieten. Der Vorschlag über treuhänderische Pflichten soll von Vermögensverwaltern und institutionellen Anlegern verlangen, ihren Kunden offenzulegen, wie sie bei ihren Anlageentscheidungen Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte berücksichtigen.

 

Der Vorschlag zur Taxonomie soll Anlegern helfen zu verstehen, inwieweit ein grünes Produkt ökologisch nachhaltige Vermögenswerte enthält. Mit diesen und weiteren geplanten Maßnahmen will die EU individuellen Anlegern helfen, bessere Entscheidungen zu treffen, die den Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft fördern.

 

Regulatorische Eingriffe allein reichen nicht aus. Ob verbindliche Regeln oder nicht verbindliche Empfehlungen, wir beobachten immer wieder, dass politische Maßnahmen immer dann erfolgreicher sind, wenn diese Regeln den Menschen nicht einfach auferlegt werden, sondern Letztere sich mit ihnen auch wirklich identifizieren können.

  

Barbara Gabor & Martin Spolc

 

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