Tuesday 19. October 2021
#187 - November 2015

Notwendige und hilfreiche Einmischung der Kirche

Der EU-Abgeordnete Peter Liese (EVP, Deutschland) ist Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit des EU-Parlaments. Die Enzyklika gibt ihm Rückenwind.

Dieser Papst ist ein Segen für die katholische Kirche und die ganze Menschheit. Bei innerkirchlichen Fragen und beim Thema Flüchtlinge hat der Papst bereits seinen Mut und seine starke Autorität bewiesen. Seine Rede im Europäischen Parlament hat fraktionsübergreifend beeindruckt.

 

Ich freue mich sehr, dass Papst Franziskus mit der Enzyklika Laudato si' nun auch das wichtige Thema Klima- und Umweltschutz in den Mittelpunkt stellt. Der Name Laudato si' nach dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus von Assisi ist dabei genauso Programm wie der Name Franziskus, den der Papst für sich selbst gewählt hat. Ich freue mich riesig über diese Enzyklika. Sie wird weltweit all denen Rückenwind geben, denen die Bewahrung der Schöpfung am Herzen liegt.

 

Impuls für Paris

Das gilt vor allem für die jährlich stattfindenden Klimakonferenzen, bei denen es den Akteuren aus unterschiedlichsten Gründen in den vergangenen Jahren an Ambition und Einigungswillen mangelte. Hier kann die Enzyklika einen wichtigen Impuls geben. Im Vorfeld der diesjährigen UN-Klimakonferenz im Dezember in Paris (COP 21) verspreche ich mir eine positivere Haltung von katholisch geprägten Ländern. So sind zum Beispiel 30 Prozent der US-Senatoren katholisch und ich hoffe, dass auch die republikanischen Senatoren in Zukunft eine konstruktivere Haltung beim Klimaschutz einnehmen können.

 

Innerhalb Europas ist die Rolle des katholisch geprägten Polens bisher besonders problematisch. Bei fast allen Klimaschutz-Initiativen hat die polnische Regierung bislang gebremst. Nun hoffe ich, dass dies sich zumindest teilweise ändert.

 

Einheit von ökologischen und sozialen Problemen

Ganz allgemein erhoffe ich mir Rückenwind für die ambitionierte Umweltpolitik insgesamt. Papst Franziskus nennt die Umweltverschmutzung, das Müllproblem und die Wegwerfkultur, den Klimawandel, die Wasserknappheit und den Verlust der Artenvielfalt als Beispiele. All dies sind Probleme und Herausforderungen, bei deren Bekämpfung die Europäische Union mit gutem Beispiel vorangeht.

 

Deutlich prangert der Papst die zunehmende Überbeanspruchung des Planeten an und weist auch darauf hin, dass es vor allem die ärmsten Menschen sind, die unter dem fortschreitenden Klimawandel und der Umweltverschmutzung leiden. Ich teile seine Einschätzung, dass ökologische und soziale Probleme, der Einsatz für die Umwelt und für die Armen, stets als Einheit zu betrachten sind.

 

Ich würde mich freuen, wenn es als gängige Lehrmeinung akzeptiert wird, dass der Klimawandel weitgehend vom Menschen verursacht ist; diese Erkenntnis muss sich im entsprechenden Handeln der politisch verantwortlichen Personen widerspiegeln. So können wir zu einem Ausgleich zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen kommen, von dem alle profitieren.

 

Nebenbei gesagt: Der Papst unterstützt die Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass die Erwärmung des Klimasystems menschengemacht ist. Das sind mindestens 95 Prozent aller in dem Bereich tätigen Forscher. Ich bin selbst Arzt, wenn es um die Gesundheit eines Patienten geht und sich 95 Prozent der Mediziner bei der Diagnose einig sind, wird diese für gewöhnlich auch nicht in Frage gestellt, sondern man macht sich an die Therapie.

 

Entscheidende Rolle der Kirchen

Der Klimawandel sollte deshalb als Faktum akzeptiert werden; er hat Auswirkungen auf alle Bewohner der Erde. Der Papst benennt das klar. Der Klimawandel ist „ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen“. Nicht zuletzt führt er dazu, dass immer mehr Menschen nicht nur vor Krieg und Gewalt sondern "auch vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird“. Diese Gefahr sehe auch ich massiv auf uns zukommen. Das wird unweigerlich zu Veränderungen im Leben von allen führen. Nun gilt es diese Veränderungen zu beeinflussen und zu gestalten. Hier sind diejenigen, die diese Aufgabe in die Hand nehmen, auf Unterstützung angewiesen - auch und gerade seitens der Kirchen.

 

Die Kirchen und Glaubensgemeinschaften können, wenn sie kraftvoll ihre Meinung äußern, eine entscheidende Rolle übernehmen bei der Gestaltung der zukünftigen Weltordnung, ganz konkret am Beispiel eines zukünftigen Klimavertrags, der so wichtig ist für unsere Kinder und Kindeskinder. Ich erhoffe mir eine weiterhin so klare Positionierung der Kirchen in zukunftsweisenden Fragen, wie es Papst Franziskus mit seiner Enzyklika Laudato si' vorgemacht hat. Eine solche Einmischung war und ist hilfreich und notwendig.

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