Freitag 17. August 2018
#216 - Juni 2018

Papst Franziskus und die internationale Klimapolitik

Mit dem Austritt der USA aus dem Pariser Weltklimavertrag vom Dezember 2015 hat die internationale Klimapolitik einen schweren Rückschlag erlitten. Umso wichtiger bleiben die langfristigen Orientierungen der Enzyklika Laudato sí von Papst Franziskus.

Auch drei Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt das päpstliche Schreiben ein wichtiger Bezugspunkt für den Aufbau einer nachhaltigen und gerechteren Weltordnung. Das zeigte sich vor kurzem in Brüssel bei der Vorstellung des neuen Berichts des Club of Rome, wo Ernst-Ulrich von Weizsäcker, einer der Hauptautoren, wiederholt auf die Enzyklika Bezug nahm. Der zweite Teil des Berichts beginnt unter dem Titel „Der Papst erhebt seine Stimme“ mit ausführlichen Zitaten aus dem Schreiben.

 

Laudato sí ist ein zugleich dramatisches und hoffnungsvolles Dokument. Dramatisch, weil es keinen Zweifel daran läßt, daß das herrschende globale System mit seiner rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und dem gefährlichen Klimawandel auf eine Katastrophe zusteuert. Hoffnungsvoll, weil der Papst diese Dynamik nicht als unausweichlich sieht, sondern Wege des Umsteuerns und der Transformation aufzeigt. In diesem Zusammenhang spricht er von einer „mutigen kulturellen Revolution“ (LS 114). Diese steht in enger Verbindung mit seinem Konzept einer „integralen Ökologie“ und einer „ökologischen Umkehr“. Er fordert einen anderen Blick, „ein Denken, eine Politik, ein Erziehungsprogramm, einen Lebensstil und eine Spiritualität, die einen Widerstand gegen den Vormarsch des technokratischen Paradigmas bilden.“ (LS 111)

 

Geschichtliche Veränderungen haben ihren Ursprung in Ideen. Dies unterstreicht auch der neue Bericht des Club of Rome und fordert eine „neue Philosophie“ und eine „neue Aufklärung“. Die ökologische Krise ist zugleich eine soziale und eine Wertekrise. Für was lohnt es sich, zu leben? Was gibt dem Leben Inhalt und Sinn? Letztlich geht es um die Wahrheit eines der Schlüsselsätze des Evangeliums: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert?“ (Mk 8,36) Das grenzenlose Gewinnstreben in einem entfesselten Kapitalismus zerstört die Umwelt und entseelt die Menschen. Dabei geht es um die Wiederentdeckung einfacher Wahrheiten: Teilen bereichert. Menschsein erfüllt sich im interesselosen Einsatz für andere. Die Humanität einer Gesellschaft entscheidet sich daran, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht.

 

Mit Laudato sí ist es Papst Franziskus gelungen, einen breiten Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft anzustoßen. Die große Resonanz des päpstlichen Schreibens liegt auch darin begründet, daß es nicht bei der Beschreibung von Katastropenszenarien stehen bleibt, sondern konkrete Wege des Handelns aufzeigt. Eine nächste wichtige Etappe für die Kirche wird die Amazonassynode im Herbst 2019 sein, die unter dem Thema „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ steht. Die nächste große UN-Klimakonferenz (COP 24) findet im Dezember 2018 im polnischen Kattowitz statt. Dort geht es unter anderem darum, die versprochenen CO2-Einsparungen zwischen den Staaten vergleichbar zu machen und auf dieser Basis weitere Zusagen zum Klimaschutz einzusammeln. Fortschritte müssen auch über die finanziellen Zusagen der Industrieländer zur Unterstützung ärmerer Länder gegen die Folgen des Klimawandels erzielt werden.

 

Die Klimafrage ist eine Gerechtigkeitsfrage. Das ist eine zentrale Botschaft der Enzyklika Laudato sí, die der kirchlichen Soziallehre neues Gehör verschafft hat. Dies wurde kürzlich in einer überraschenden Weise von der englischen Zeitung The Guardian bestätigt, die nicht im Verdacht katholischer Apologetik steht: „Die von der katholischen Soziallehre angebotene und vom fortschrittlichsten Denken vorausgesetzte Antwort ist, daß wir auf das Gemeinwohl hinarbeiten sollten. Dieses ist verschieden von der Erfüllung individueller Wünsche und wird manchmal sogar im Gegensatz zu ihnen stehen; aber langfristig ist dies der einzige Weg, unsere teilweise eigennützigen und teilweise altruistischen Naturen zufriedenzustellen.“

 

Martin Maier SJ

JESC

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