Tuesday 27. September 2016

Was ist los in Polen?

Auf ausdrücklichen Wunsch der polnischen Bischofskonferenz hat EuropeInfos den Artikel "Was ist los in Polen ?" von Henryk Woźniakowski von der Webseite zurückgezogen.

 

Zum Selbstverständnis von EuropeInfos.

Marie Zielinska v.Spee | 25.02.2016 18:06
Sehr geehrte Redaktion,
es stimmt traurig Zeuge eines derartigen Eingreifens meiner Kirche hier zu sein. Ebenso traurig stimmt die Politik Ihrer Redaktion. Ich dachte Geschichte lehrt!
Darf eine Bischofskonferenz Menschen mundtot machen, die ihrer tiefen Sorge ob der politischen Ereignisse im Lande Ausdruck geben? Die danach fragen, warum ihre Kirche schweigt? Und es geht hier um den Rechtsstaaat, der auch uns Christen und unseren Glauben schützt. Wenn es in Zukunft um unser Recht geht, werden meine Bischöfe dann auch schweigen?
Ich bitte um Überdenken Ihres Schrittes,
Marie Zielińska, v. Spee Krakau
Tadeusz  | 25.02.2016 10:10
Ich freue mich darüber, dass die polnische Bischofskonferenz gegen die Verbreitung der Verleumdungen als "Diskussionsbeitrag" protestiert hat.

Meine absolute Hochachtuung sowohl für die polnische als auch die ungarische Bischofskonferenz.

Es gibt hunderte von Magazinen, wo man jede Menge Verleumdungen lesen und diskutieren kann. WIeso entscheidet sich ein angeblisch "katholisches" Magazin, um das gleiche zu machen?
    Johannes Hauer | 25.02.2016 20:08
    Es ist bedenklich, wenn andere Ansichten ohne Weiteres als Verleumdungen diffamiert werden, statt sie zu widerlegen.

Dass die Regierungen von Polen und Ungarn damit einen neuen Totalitarismus aufbauen ist problematisch, dass die Bischofskonferenzen das offensichtlich unkritisch und bis zu einem gewissen Grad unchristlich mittragen, ist bedenklich, dass nun ein Magazin von den genannten Instanzen genötigt wird und sich nötigen lässt, die eigenen Grundsätze zu verleugnen, ist traurig und gibt wenig Anlass zu Hoffnung auf ein christlicheres Europa.
Rembert Schleicher | 19.02.2016 23:11
Die Redaktion der Website bedauert, dass einige Beiträge Nutzer/innen verletzt haben - und hat (z. B. den Beitrag von Henryk Wozniakowski "Was ist los in Polen?") diese Beiträge auf Veranlassung von außen gelöscht. Ich fühle mich dadurch in meinem Recht auf Information verletzt. Die von der Website heruntergenommenen Beiträge haben ja ohnehin die "Vorzensur" der Redaktion hinter sich gehabt, als sie auf die Website gesetzt wurden. Ich bitte um Weiterleitung meines dringenden Ersuchens an die Verantwortlichen in der polnischen Bischofskonferenz, mir den inkriminierten Beitrag "Was ist los in Polen?" sowie eine sachliche Begründung ihrer Forderung der Löschung des Beitrages auf europe-infos zukommen zu lassen. Ich schätze Herrn Wozniakowskis besonnenen und gediegenen Diskussionsbeiträge und habe mir gerade von diesem Beitrag viel erwartet, den zu lesen mir verwehrt ist. Ich möchte ich mir eine Meinung bilden können, was da wirklich los ist...
Rembert Schleicher | 19.02.2016 22:10
Die Redaktion der Website bedauert, dass einige Beiträge Nutzer/innen verletzt hat - und hat (z. B. den Beitrag von Henryk Wozniakowski "Was ist los in Polen?"). Ich fühle mich dadurch in meinem Recht auf Information verletzt. Die von der Website heruntergenommenen Beiträge haben ja ohnehin die "Vorzensur" der Redaktion hinter sich gehabt, als sie auf die Website gesetzt wurden. Ich bitte um Weiterleitung meines dringenden Ersuchens an die Verantwortlichen in der polnischen Bischofskonferenz, mir den inkriminierten Beitrag "Was ist los in Polen?" sowie eine sachliche Begründung ihrer Forderung der Löschung des Beitrages auf europe-infos zukommen zu lassen.
Georg Ziegler | 11.02.2016 23:11
Ich habe mit Bestürzung gesehen, dass Sie auf Druck der polnischen Bischöfe, den Artikel von Henryk Wozniakowski zur Lage in Polen entfernt haben. Dies ist ein Akt von Zensur, von der ich geglaubt hatte, dass sie 1989 in Polen mit dem Ende des Kommunismus überwunden worden war. Wie die Redaktion zulassen konnte, dass aufgrund der Intervention einer einzelnen Bischofskonferenz ein solcher Text entfernt wurde, ist mir unerklärlich.

Dies ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen in Polen, denen an Demokratie und Rechtsstaat gelegen ist. Es ist auch ein Schlag ins Gesicht derer, die engagierte Katholiken in Polen sind und aktiv christliche Werte in der Gesellschaft hochhalten. Und schließlich ist es auch ein Schlag ins Gesicht der Freunde Polens, zu denen ich mich zählen darf.

Henryk Wozniakowski ist ein engagierter Katholik. Er leitet den renommierten katholischen ZNAK Verlag. Er hat voll Sorge aber ohne Polemik die Lage in Polen so dargestellt, wie sie leider ist. Wie die dortige von PiS getragene Regierung derzeit den Rechtsstaat in Polen demontiert fordert zu Recht den Wiederstand der Zivilgesellschaft und vieler engagierter Katholiken heraus. Es war daher begrüßenswert, dass EUROPEINFOS der Darstellung dieser bedrohlichen Entwicklung, einen angemessenen Platz eingeräumt hatte. Ich erwarte, dass die Entscheidung, den Artikel von Herrn Wozniakowski zu entfernen, demnächst rückgängig gemacht wird.

Georg Ziegler, Tervuren (Belgien)
    Sabine Harles | 16.02.2016 15:03
    Was ist los in Europa?
Zuerst die polnische und nun auch die ungarische Bischifskonferenz verlangen die Entfernung von Artikeln von der Website von EuropeInfos. Das erinnert fatal nicht nur an finstere Zeiten der Diktaturen sondern auch an die Verweigerung des Imprimatur. Nicht genehme Meinungen schafft man nicht aus der Welt, indem sie verschwiegen werden. Es gehört selbstverständlich dazu, sich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen. Warum stellen beide Bischofskonferenzen nicht ihre Meinungen offen darüber? Dialog und Diskurs sind wesentlich in Demokratien. Und sie sind auch konstitutiv für die Bildung und das politische Handeln. Beide Entscheidungen gefährden die Reputation des Magazins und der Herausgeber. Wie will Kirche sich dann noch ernsthaft Gehör verschaffen? Diese Vorgehensweise gehört unterbunden! Diskurs ist das Gebot der Stunde!
Sabine Harles
Krzysztof Zagórski | 11.02.2016 17:05
Such a censorship of the TRUE words by a distinguished Polish publicist is a shame, a BIG shame.... :(((

fryderyk zoll | 11.02.2016 13:01
Sehr geehrte Redaktion von Europe Infos,
die Entscheidung, den Artikel von Henryk Woźniakowski „What's happening in Poland?“ von der Webseite Europe Infos auf Verlangen der polnischen Bischofkonferenz zurückzunehmen, lässt sich mit den Grundsätzen der freien Diskussion in einer demokratischen Gesellschaft kaum vereinbaren. Natürlich steht es der Bischofkonferenz frei, die in diesem Artikel geäußerte Kritik zu erwidern. Es steht ihr aber nicht zu, den Artikel zu unterdrücken, anstatt dazu Stellung zu nehmen.
Es ist überdies leider so, dass der Beitrag von Henryk Woźniakowski die politische Lage in Polen richtig widerspiegelt. Es ist traurig, dass die polnische Kirche, die immer ein Garant der Freiheit und Menschenrechte in Polen war, diese Rolle nicht mehr wahrnehmen möchte. Die bedauerliche Entwicklung in meinem Land wäre ohne das politische Engagement zahlreicher Vertreter der katholischen Kirche Polens nicht möglich. Dies wird für die Stellung der Kirche in der polnischen Gesellschaft nicht ohne Folgen bleiben.
Die Diskussion der aktuellen Entwicklung in Polen ist nicht nur eine „interne Angelegenheit“, sondern ein Teil der politischen Wirklichkeit Europas, die auch und gerade in Europa öffentlich diskutiert werden muss. Es ist die Aufgabe der freien Presse, dies zu ermöglichen. Die Rücknahme dieses Artikels stellt die Grundsätze der Pressefreiheit in Frage, wenn Europe Infos sich einer rein politischen Aufforderung der polnischen Bischofskonferenz beugt.
Hochachtungsvoll
Prof. Dr. Dr. h.c. (Ternopil) Fryderyk Zoll
Professor an der Jagiellonen Universität in Krakau und Universität Osnabrück
Georg Düchs | 11.02.2016 12:12
Das ist nun mal eine erstaunliche, wirklich schlechte Nachricht: Die polnische Bischofskonferenz zensiert einen Artikel in europeinfo!

Da müssen sich alle bestätigt fühlen, die unterstellen, dass die Kirche ein zumindest gespaltenes Verhältnis zum freien Wort hätte.

Schlimmer noch wird es dadurch, dass der inkriminierte Artikel nun wirklich nicht geeignet war, eine solch harsche Reaktion zu provozieren. Er mag in seiner Analyse angreifbar oder auch falsch sein - aber dass er polemisch oder unsachlich gewesen wäre, kann man beim besten (oder schlechtesten) Willen nicht behaupten.

Dass der ursprüngliche Artikel entfernt wurde schmerzt mich gerade als Katholiken und treues Glied der Kirche! Es ist eine Steilvorlage für alle, die der Kirche übel wollen, denn es ist das Eingeständnis, dass eine Bischofskonferenz offenbar unfähig ist, eine Pluralität von Meinungen zu akzeptieren - Meinungen, wohlgemerkt, die ohne Polemik, sondern in argumentierender Form vorgetragen werden und die sich auch nicht im entferntesten auf Glaubensinhalte, sondern nur auf politische Einstellungen und Wertungen beziehen - und dass eine Bischofskonferenz auch nicht zögert, missliebige Meinungen mit repressiven Mitteln zu unterdrücken.

Die Begründung des Generalsekretärs der polnischen Bischofskonferenz ("The publication of this article in Europe Infos representing the European Bishops’ Conferences is a counteract that interferes with the internal affairs of Poland." http://episkopat.pl/aktualnosci/7130.1,Odpowiedz_na_artykul_w_Europe_Infos.html) läuft völlig ins Leere:

Zum einen ist es absurd, einer Zeitschrift, deren Horizont explizit europäisch ist und die den Anspruch hat, in Europa über europäische Themen zu berichten, vorzuwerfen, dass sie Themen aufgreift, die ein europäisches Land betreffen. Es ist sehr gut, dass politische Zuständigkeiten in Europa subsidiär geregelt sind - aber das bedeutet mitnichten, dass Meinungen über Zustände innerhalb eines Landes außerhalb dieses Landes nicht geäußert werden dürften. Nebenbei bemerkt steht es einer Kirche, die sich "kat-holisch" nennt, sehr seltsam an, eine Debatte über wichtige Themen national segmentieren zu wollen.

Zum anderen ist es völlig offensichtlich, dass in dem genannten Artikel weder die Position der polnischen Bischofskonferenz noch die der Redaktion beschrieben wurde, sondern dass hier ein Autor - übrigens eine angesehene Persönlichkeit und ein aktiver Katholik - seine eigene Meinung darlegt (- dass diese Meinung nicht völlig abwegig ist, lehrt ein Blick in jede größere europäische Tageszeitung). Was könnte europeinfo Besseres tun, als ein Thema, das ohnehin bereits in ganz Europa diskutiert wird, aufzugreifen? Wer europeinfo dagegen zum Hofberichterstatter des Episkopats (welchen eigentlich? des polnischen, des französischen,...?) dressieren möchte, ist völlig aus der Zeit gefallen und hat nichts, aber auch gar nichts davon verstanden, wie Medien heute funktionieren, und wie christlichen und kirchlichen Stimmen heute Gehör verschafft werden kann. Warum bezieht die polnische Bischofskonferenz nicht Gegenposition - z.B. mit einem eigenen Artikel? Dazu bedürfte es freilich einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Argumenten! Die Redaktion zu zwingen, den Artikel zurückzuziehen ist dagegen ein völlig indiskutabler, autoritärer Akt, der unter den Bedingungen der Moderne (wie sie heute überall in Europa gegeben sind) nur dazu führt, die eigene Autorität zu untergraben und sich selbst als Diskussionspartner zu diskreditieren.

Zeugnis derselben selbstherrlich-autoritären Denkungsart, gleichzeitig für jeden kritischen (auch katholischen!) Zeitgenossen verblüffend und im Grunde nur noch kurios zu nennen ist der Vorwurf des Generalsekretärs der polnischen Bischofskonferenz, Herr Wozniakowski hätte die polnische Bischofskonferenz um eine öffentliche Stellungnahme bitten sollen, bevor er festgestellt hat, dass die katholischen Bischöfe Polens sich noch nicht zum Thema seines Artikels geäußert hätten. Was soll man dazu noch sagen…?? Darf ich offenkundige, für jeden nachprüfbare Sachverhalte nur aussprechen, nachdem ich die polnische Bischofskonferenz um Erlaubnis gefragt habe?

Abgesehen davon, dass der ausgeübte Druck, den Artikel zurückzuziehen von der Sache her fatal und von der Außenwirkung verheerend ist - er ist auch schlicht und einfach dumm und ungeschickt! Zensur dieser Art ist ein Mittel zumindest des vorigen Jahrhunderts, sie kann unter den Bedingungen der heute gängigen elektronischen Medien nur nach hinten los gehen.

Ich bin sehr, sehr, sehr enttäuscht!

Mit freundlichen Grüßen
Georg Düchs
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