Mittwoch 28. Juni 2017
#187 - November 2015

Weltweite Resonanz von Laudato si’

Die im Juni veröffentlichte Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus hat weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus eine erstaunliche Wirkung entfaltet.

Politiker, Wissenschaftler und Vertreter vieler sozialer Bewegungen folgten der Einladung des Papstes zu einem Dialog über die Gestaltung der Zukunft unseres Planeten. US-Präsident Barack Obama begrüßte die Enzyklika emphatisch: „In der Vorbereitung der globalen Klimaverhandlungen in Paris im kommenden Dezember hege ich die Hoffnung, dass alle führenden Weltpolitiker – und alle Kinder Gottes – über den Aufruf von Papst Franziskus zur geteilten Sorge um unser gemeinsames Haus nachdenken.“ Auch der französische Präsident François Hollande wünschte, „dass die besondere Stimme von Papst Franziskus auf allen Kontinenten und über die Gläubigen hinaus Gehör findet“. Achim Steiner, der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP) betonte, dass sich Wissenschaft und Religion in einem Punkt einig seien: „Wir müssen jetzt handeln.“

 

Noch interessanter waren die Reaktionen aus der Welt der Wissenschaft. Renommierte Wissenschaftsmagazine wie „Nature“ und „Science“ publizierten vor und nach der Veröffentlichung der Enzyklika zustimmende Leitartikel. Die Herausgeberin von Science Marcia McNutt schrieb: „Ich begrüße die klare Stellungnahme von Papst Franziskus zum Klima; er ist derzeit der sichtbarste Kämpfer für die Minderung des Klimawandels.“ Die Zeitschrift „Nature Climate Change“ widmete in ihrer Oktoberausgabe der Diskussion der Enzyklika sogar ein elfseitiges Special. Mit Blick auf die Klimawissenschaft wurde in den Kommentaren von Wissenschaftlern immer wieder betont, dass die Enzyklika sich zurecht und korrekt auf den Weltklimarat IPCC bezieht, dessen Berichte den Stand der Wissenschaft wiedergeben.

 

Auch in Brüssel wurde der Enzyklika große Aufmerksamkeit geschenkt. Unmittelbar nach ihrem Erscheinen organisierte die COMECE eine Vorstellung des Dokuments mit dem irischen Öko-Theologen Sean McDonagh und dem Europaparlamentsabgeordneten Philippe Lamberts (Grüne, Belgien). Im Europäischen Parlament fand am 29. September eine ökumenischen Konferenz zum Thema „Klimawandel und die Umweltenzyklika des Papstes“. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Athanasios von Achaia lobte die Umweltenzyklika des Papstes als einen Weckruf an die Menschheit. Bischof Luc van Looy, Präsident von Caritas Europa, unterstrich den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Flucht von Menschen, die nun „an der Tür Europas“ stünden. Bernard Pinaud, Direktor des französischen katholischen Hilfswerks CCFD-Terre Solidaire, berichtete begeistert von der breiten Rezeption der Enzyklika durch zivilgesellschaftliche Organisationen. Ein informeller Zusammenschluss von Ökonomen der Europäischen Kommission befaßte sich ebenfalls eingehend mit dem Dokument.

 

Aufgabe von Europe Infos ist es, die europäischen politischen Debatten von einem christlichen Standpunkt zu kommentieren und zu begleiten. Die Europäische Union möchte auf dem Klimagipfel in Paris eine Vorreiterrolle übernehmen. In dessen Vorfeld ist diese ganze Nummer der Enzyklika Laudato si’ gewidmet. Kardinal Peter Turkson, Präsident der Päpstlichen Kommission Justitia et Pax, verspricht sich einen starken Beitrag der Enzyklika für die Verhandlungen in der französischen Hauptstadt. Sylvie Goulard und Peter Liese reagieren als Abgeordnete des europäischen Parlaments und Andrea Tilche als Referatsleiter „Klimawandel und Naturgefahren“ der Europäischen Kommission. Sie sind sich alle darin einig, dass Papst Franziskus mit seiner Enzyklika einen entscheidenden Anstoß für eine globale Verständigung in Paris gegeben hat.

 

Martin Maier SJ

JESC

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Die EU-Kommission wird zusammen mit dem EMCDDA den Europäischen Arzneimittelbericht 2017 veröffentlichen, mit einer umfassenden Analyse der jüngsten Entwicklungen der Arzneimittelsituation in Europa.
 
> 7. Juni
Die EU-Kommission soll das Diskussionspapier zur Zukunft der Europäischen Verteidigung bis 2025 veröffentlichen.
 
> 7. Juni
Die EU-Kommission soll die Mitteilung zur “Stärkung der Resilienz in Drittstaaten” veröffentlichen als Teil der Umsetzung der Globalen Strategie der EU  
 
> 15.-16. Juni
Eine hochrangige Veranstaltung über die EU-Arktis-Politik wird in Oulu, Finnland, stattfinden.

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