Mittwoch 17. Oktober 2018
#210 - Dezember 2017

“Wir müssen auch neue Hoffnung schöpfen„

Mgr Mariano Crociata, der neue Delegierte der Italienischen Bischofskonferenz bei der COMECE, teilt uns seine Überlegungen im Anschluss an den (Re)Thinking Europe -Dialog.

ROMA 16-03-2010INCONTRO DEL COLLEGIO ASSISTENTI DI A.C. CON GLI ASISTENTI DI ALTRE AGGREGAZIONI LAICALIDA SIN:MONS.DOMENICO SIGALINI,MONS.MARIANO CROCIATA,DOTT.FRANCO MIANOPH:ALESSIO PETRUCCI

Während des Diskussionsforums (Re)Thinking Europe („Europa neu denken“) entwickelte der Papst die Hauptgedanken seiner Ansprache entlang einer Reihe von Überschriften: Person und Gemeinschaft, Europa als Ort des Dialogs, als inklusiver Raum, als Raum der Solidarität, als Quelle der Entwicklung und Friedensverheißung. Diese zentralen Prinzipien fassen die Debatte faktisch zusammen und entfachen eine neue, fruchtbare Diskussion über die entscheidenden Punkte in Bezug auf Europa: die Integration der Mitgliedstaaten in die EU, den Zustand der Demokratie und die Wirtschaft in einer sich rasch wandelnden Welt. Abschließend rief der Papst die Christen dazu auf, Europa wieder eine Seele zu geben.

 

Eine Hauptsorge, die das gesamte Diskussionsforum prägte und sich durch alle Debatten zog, war die Diskrepanz zwischen Bürgern und Institutionen und die damit verbundene Desorientierung, die in einigen gesellschaftlichen Gruppen durch bestimmte politisch-kulturelle Themen ausgelöst werden. Wenn wir noch all diejenigen Bürger hinzunehmen, die sich vom Virus der Unzufriedenheit und dem daraus folgenden „Absentismus“ anstecken lassen, ergibt sich erschreckenderweise das Bild einer europäischen Gesellschaft, die – zu einem großen Teil – führungslos umhertreibt. Die damit verbundene Wahrnehmung, dass Europas Institutionen in Schwierigkeiten geraten sind, schürt darüber hinaus Ängste in Bezug auf die Stabilität der EU.

 

Wir müssen uns das Ideal, das einst die Gründerväter zur Schaffung der Europäischen Gemeinschaft inspirierte, ins Gedächtnis rufen – und nicht nur das: wir müssen auch neue Hoffnung schöpfen und unseren Blick in die Zukunft lenken. Als Organisation, die die Interessen der Kirche und kirchlichen Gemeinschaften verschiedener Nationen vertritt, wird der COMECE nach allgemeiner Auffassung die führende Rolle bei der Pflege der Beziehungen zu den EU-Institutionen zugebilligt. Gemäß ihrer in den Statuten festgelegten Ziele dient die COMECE der Gewissensbildung der Kirche hinsichtlich ihrer Verantwortung für Europa.

 

Um dies zu erreichen, müssen wir weiterhin zwei Wege verfolgen, die beide eng miteinander verknüpft sind.

 

Der erste bezieht sich auf die Schaffung einer gemeinsamen Vision durch die katholischen Bischofskonferenzen der EU. Diese Vision sollte nicht allein aus bestimmten, den politisch-institutionellen Kontexten der nationalen Konferenzen erwachsenen Schlüsselthemen bestehen. Aus einer solchen gemeinsamen Vision sollten auch grundlegende Leitlinien zur Zukunft Europas abgeleitet werden, so wie jene, die die Soziallehre der Kirche hervorgebracht hat.

 

Der – weitaus breiter angelegte – zweite Weg sollte die ganze religiöse Gemeinschaft einbeziehen und ihre Fähigkeit, eine historische Konsolidierung und eine gemeinsame Position auf dem Weg der europäischen Einigung zu entwickeln, auf den Prüfstand stellen. Dies wird die Grundlage für entsprechende pädagogische Arbeit sein. Eine Einheit des Glaubens führt nicht zu einer „Einförmigkeit”; sie hat aber zweifellos das Potenzial, eine einigende Bewegung für ein europäisches Gemeinwohl anzustoßen – ein Gemeinwohl, das in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft spürbar wird und an dem die Menschen über alle Grenzen hinweg und trotz bestehender legitimer Unterschiede teilhaben. Das Bewusstsein für diese Aufgabe und ihre Wahrnehmung werden in gewisser Weise nicht nur für den weiteren Weg unseres Kontinents wichtig sein, sie werden auch maßgeblich die Rolle prägen, die Christen zukünftig in Europa spielen werden.

 

Mgr Mariano Crociata

Bischof von Latina, Mitglied der COMECE

Delegierter der italienischen Bischofskonferenz bei der COMECE

 

Originalfassung des Artikels: Italienisch

 

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